Akkreditiv – Definition und Ablauf Akkreditivgeschäft

Das Akkreditiv hat in der zunehmenden Internationalisierung des Handels seit Anbeginn des 20. Jahrhunderts eine tragende Rolle gespielt. In diesem Post sehen wir uns insbesondere Definition und Ablauf des Dokumentenakkreditivs etwas genauer an. Sie erhalten somit eine Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften und Prozessschritte des Akkreditivs.

Definition Akkreditiv

Das Akkreditiv ist eine vertragliche Vereinbarung, bei der eine Bank (eröffnende Bank) im Auftrag und nach Weisung ihres Kunden (Akkreditivauftraggeber und Käufer bzw. Importeur) innerhalb eines bestimmten Zeitraumes einen genauen Betrag (Akkreditivbetrag) an einen eindeutigen Empfänger (Begünstigter und Verkäufer bzw. Exporteur) leistet, sofern dieser die vorgeschriebenen Dokumente einreicht.

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Ablauf

Am Schaubild zum Artikel sehen Sie eine Übersicht über den üblichen Ablauf eines Akkreditivgeschäfts mit den einzelnen Schritten der Abwicklung.

Diese sind – in der üblichen Reihenfolge:

  1. Abschluss des Kaufvertrages zwischen Käufer und Verkäufer über das Grundgeschäft und eine zusätzliche Akkreditivvereinbarung.
  2. Der Käufer erteilt seiner Hausbank den Akkreditivauftrag.
  3. Die Hausbank des Käufers eröffnet das Akkreditiv unwiderruflich zugunsten des Verkäufers und bedient sich dabei einer Bank (avisierende Bank), die ihr entweder vom Käufer vorgegeben wurde oder ihre Korrespondenzbank ist.
  4. Diese prüft das Akkreditiv und avisiert es dem Verkäufer.
  5. Der Verkäufer versendet die Ware und erhält dafür die Dokumente.
  6. Die Dokumente muss er nun rechtzeitig bei der Gültigkeitsstelle (zumeist die avisierende Bank) einreichen.
  7. Die avisierende Bank leitet die Dokumente nun an die eröffnende Bank weiter und erhält im Gegenzug eine Gutschrift über den Gegenwert.
  8. Die avisierende Bank schreibt dem Verkäufer den Dokumentengegenwert gut.
  9. Die eröffnende Bank belastet dem Käufer den Dokumentengegenwert und übergibt diesem die Dokumente. Mit den Dokumenten kann der Käufer nun über die Waren verfügen.

Akkreditivarten

Folgende Akkreditivarten lassen sich unterscheiden:

nach der Art und Fälligkeit der Leistung

  1. Zahlungsakkreditiv
    1. Sichtakkreditiv (sight letter of credit): Zahlung bei Vorlage der Dokumente
    2. deferred-payment Akkreditiv: Zahlung an bestimmtem Termin nach Vorlage der Dokumente
  2. Akzeptierungsakkreditiv (letter of credit against acceptance): Zahlung gegen Wechselakzept
  3. Negoziierungsakkreditiv (negotiable letter of credit): Zahlung gegen Kredit

nach der Art der Verpflichtung

  1. widerrufliches Akkreditiv (revocable letter of credit): Zahlungsversprechen der eröffnenden Bank kann bis zur Annahme der Dokumente durch die avisierende Bank jederzeit widerrufen werden
  2. unwiderrufliches Akkreditiv (irrevocable letter of credit): dauerhaftes selbständiges Schuldversprechen einer Bank zur Zahlung nach Art. 9a ERA 600
    1. unbestätigtes Akkreditiv (non-confirmed letter of credit): Bloße Ankündigung der Akkreditiveröffnung, dadurch haftet nur die eröffnende Bank für die Zahlung des Kaufpreises. Vor politischen oder wirtschaftlichen Länderrisiken ist der Exporteur demnach nicht geschützt, da die Bank im Land des Käufers ggf. nicht mehr zahlen kann.
    2. bestätigtes Akkreditiv (confirmed letter of credit): Durch eine Akkreditivbestätigung kann der Exporteur zusätzlich ein abstraktes Zahlungsversprechen der avisierenden Bank erhalten. Sie haftet dann genauso wie die eröffnende Bank für die Zahlung des Kaufpreises. Für diese Bestätigung erhebt die avisierende Bank eine Gebühr.

nach der Art der Bedingungen

  1. Barakkreditiv (cash letter of credit bzw. einfach Commercial letter of credit / Letter of credit L/C): Zahlung erfolgt gegen Vorlage des Kreditbriefes, die international gebräuchlichste Form
  2. Dokumenten- oder Warenakkreditiv (documentary credit): Zahlung ist an Vorlage und Prüfung genau bezeichneter Warendokumente gebunden.

Akkreditivdokumente

Insbesondere (aber nicht abschließend) die folgenden Dokumente müssen vom Exporteur vorgelegt werden, um die Zahlung auszulösen:

  1. Handelsrechnung (commercial invoice)
  2. Packliste (packing list)
  3. Ursprungszeugnis (certificate of origin)
  4. Transportdokumente wie Konnossement (bill of lading), Frachtbrief (courier receipt) etc.
  5. Versicherungsnachweise für Transportrisiken
  6. Qualitätsnachweise

Akkreditiv Gebühren

Akkreditiv Gebühren setzen sich aus einer Vielzahl an kleineren Gebühren für Teilleistungen oder Teilschritte zusammen. So finden sich auf der gängigen Abrechnung Teilposten wie Voravis, Avis, Änderungsprovision, Provision für Dokumentenaufnahme, Abwicklungsgebühr, Kosten der Fälligkeitsüberwachung und Akzeptprovision sowie Kurierspesen, Porto und SWIFT.

Da kommen durchaus einmal 0,5 bis 1% des Auftragsgegenwertes an Gebühren zusammen. In Anbetracht der regelmäßig sehr großen Summen, die im Rahmen von Akkreditivgeschäften bewegt werden, sind diese Kosten als hoch anzusehen.

Es ist allerdings festzustellen, dass in diesem Teilbereich des Bankgeschäfts größere Spielräume auf Seiten des Bankberaters festzustellen sind. Eine gute Beziehung und ein insgesamt gut organisiertes Auftreten lassen auf günstigere Konditionen hoffen.

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Zumal auch zu beobachten ist, dass die Gebühren am Arbeitsaufwand für die Bank ausgerichtet sind. Wenn das Geschäft eher ungewöhnlich und mit hohem Arbeitsaufwand verbunden ist, wird tendenziell das obere Gebührenende berührt werden.

Plain Vanilla Geschäfte hingegen werden auch bei Akkreditiven tendenziell günstiger abgerechnet.

Vor- und Nachteile für den Verkäufer

Vorteile:

  • Absicherung seiner Forderung, da Zahlungsversprechen der Bank
  • Dokumente sind einzige Voraussetzung für Auszahlung

Nachteile / Risiken:

  • Insolvenzrisiko der Bank
  • kein Zahlungsanspruch, wenn Dokumente unvollständig, fehlerhaft oder nicht fristgerecht eingereicht

Vor- und Nachteile für den Käufer

Vorteile:

  • Absicherung der Zahlung, da Prüfung der Dokumente durch Bank vor Zahlung an Verkäufer
  • bis zur Zahlung des Akkreditivs keine eigen Liquidität notwendig, da Banken in Vorleistung gehen

Nachteile / Risiken:

  • Dokumente sind einzige Voraussetzung für Zahlung, wenn Waren nicht in Ordnung, muss dennoch bezahlt werden
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