Borrowing Base Finanzierung – Definition, Monitoring, Beispiel

Die Borrowing Base Finanzierung ist eine spezielle Form des Betriebsmittelkredits. Sie wird in Form einer revolvierenden Kreditlinie ausgereicht, deren maximal mögliche Ausnutzung an die Bestände des Umlaufvermögens (sogenannte Borrowing Base) gekoppelt ist. Dementsprechend lautet die deutsche Übersetzung für Borrowing Base auch sinngemäß Beleihungsgrundlage.

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“atmende Kreditlinie”

Im Rahmen einer einfachen und verständlichen Erklärung für das Konzept Borrowing Base Kredit wird daher oftmals auch von der „atmenden Kreditlinie“ gesprochen. Atmend deswegen, weil sich der Borrowing Base Kreditrahmen automatisch erhöht, wenn das Umlaufvermögen wächst, weil das Unternehmen wächst. Andersherum sinkt der Kreditrahmen aber auch automatisch, wenn das Unternehmen temporär schwächere Phasen hat. Daher eignet sich die Borrowing Base nicht nur für stark wachsende Unternehmen, sondern auch für Unternehmen mit einem Geschäftsmodell mit saisonalen Schwankungen.

praktische Bedeutung

Es kann aktuell eine weitere Zunahme der Bedeutung von Borrowing Base Finanzierungen gerade im Mittelstand beobachtet werden. Denn die restriktivere Kreditvergabe von Banken führt dazu, dass sicherheitenorientiertere Kreditkonzepte wie die Borrowing Base weiter an Bedeutung gewinnen. So lassen sich bei gezielter Suche problemlos zahlreiche Borrowing Base Anbieter auftun.

Struktur

Die Borrowing Base Finanzierung ist in der Regel nicht als abschließende Finanzierungsstruktur für ein Unternehmen zu betrachten. Sie ist stattdessen nur ein (wenn auch wesentlicher) Baustein der Unternehmensfinanzierung; bzw. hier: der Betriebsmittelfinanzierung.

Die Borrowing Base Finanzierung kann dementsprechend auch in komplexe Finanzierungsstrukturen integriert werden. So sind Konsortialkredite (wie insbesondere Club Deals) mit einer Borrowing-Base-Finanzierung als Finanzierungsinstrument für den Betriebsmittelbedarf absolut üblich.

Borrowing Base Monitoring

Die Borrowing Base Finanzierung ist – im Vergleich zu einem klassischen Betriebsmittelkredit –  deutlich abhängiger von den Beständen des Umlaufvermögens, die in der Regel auch als Sicherheiten dienen. Folglich hat die kreditgebende Bank auch ein gesteigertes Interesse daran, den Bestand des Umlaufvermögens regelmäßig zu überprüfen. Dies geschieht im Wege eines regelmäßigen Borrowing Base Monitoring. Wie dieses Monitoring im konkreten Fall ausgestaltet (insbesondere Umfang und  Turnus) ist, richtet sich nach dem Anbieter der Borrowing Base Finanzierung und dem Unternehmen. So genießen Unternehmen mit einem guten und transparenten Vorrats- und Forderungsmanagement bei einzelnen Anbietern Vorteile beim regelmäßigen Borrowing Base Monitoring.

Berechnung und Beispiel

Die Berechnung des Borrowing Base Rahmens kann nicht nach einer einheitlichen Formel erfolgen, da prinzipiell jeder Anbieter am Markt ein eigenes Berechnungsmodell für die Borrowing Base hat. Allerdings unterscheiden sich die Berechnungen zwischen den einzelnen Anbietern nur selten grundlegend, sodass an dieser Stelle ein ungefährer Rechenweg als Beispiel aufgezeigt werden kann.

Die Berechnung der Borrowing Base kann daher in etwa nach folgendem Model erfolgen:

Nettowarenbestand

./. Lieferantenverbindlichkeiten

./. individuelle Abzugspositionen

./.Bewertungsabschlag

= Borrowing Base Waren

 

Bruttoforderungsbestand

./. individuelle Abzugspositionen

./. Bewertungsabschlag

=Borrowing Base Forderungen

 

Borrowing Base Waren + Borrowing Base Forderungen = Borrowing Base Gesamt

Vorteile und Nachteile der Borrowing Base Finanzierung

Vorteile:

  • Finanzierungsstabilität dank mittlerer Laufzeiten (maximal 5 Jahre)
  • Anpassung Kreditlinie an Unternehmensplanung
  • Spielraum für Wachstum
  • Abdeckung saisonaler Spitzen im Umsatzverlauf durch regelmäßige Anpassung des Rahmens

 

Nachteile

  • je nach Anbieter teilweise hoher Aufwand für Monitoring
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