Das kaufmännische Vorsichtsprinzip und die Unternehmensplanung

Einer neuen Studie von EY zufolge, haben 13 der 30 DAX-Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 ihre Gewinn- und Umsatzprognosen korrigieren müssen. Eine beachtliche Zahl! Immerhin sprechen wir hier von fast 50% der enthaltenen und berichtenden Unternehmen. Aber bei genauerem Hinsehen sagt diese und die dahinter stehenden Zahlen noch deutlich mehr aus.

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Starker Hang zu niedrigen Planungen

So könnte man auf den ersten Blick meinen, dass das Bild mit positiven und negativen Korrekturen in etwa ausgeglichen ist, da von den genannten 13 Fällen 8-mal eine Anhebung und in 5 Fällen eine Senkung der Prognosen erfolgte.
Bei genauerer Betrachtung und gleichzeitiger Einbeziehung der weiteren Indizes MDAX, SDAX und TecDAX fällt aber auf, dass sich das Verhältnis schon auf 43 Anhebungen zu 26 Senkungen ausweitet. Und im Vorjahreszeitraum fällt der Unterschied mit 61 zu 25 sogar noch krasser aus.

Das Verhältnis zwischen Anhebung und Senkung der Prognosen ist in der deutschen Unternehmenslandschaft also mitnichten ausgeglichen, sondern es lässt sich ein starker Hang zu (im Realitätscheck) zu niedrigen Planungen und Prognosen feststellen.

Eine Unternehmensplanung ist kein Jahresabschluss

Und genau das deckt sich mit meiner Wahrnehmung im alltäglichen Kontakt mit Kunden: Immer wieder stelle ich fest, dass der deutsche Unternehmer zu konservativ plant! Gerade wenn es um die Einrichtung oder Prolongation von Betriebsmittellinien oder Investitionskrediten geht, scheint bei Geschäftsführern und kaufmännischen Leitern die Denkweise vorzuherrschen, dass man gegenüber dem Bankpartner nicht übertrieben optimistisch planen möchte.

Diese Denkweise ist natürlich nachvollziehbar und im Sinne des kaufmännischen Vorsichtsprinzips ehrenwert, aber alles andere als optimal. Denn eine Unternehmensplanung ist kein Jahresabschluss!

Sie sind ein ehrgeiziger Unternehmer!

Ein guter Banker wird immer eine klare Rollenverteilung anstreben: Sie sind der Unternehmer, er ist der Banker. Das heißt aber auch, dass Sie den unternehmerischen Wagemut, Ehrgeiz und Willen zum Erfolg repräsentieren und sich an Ihren ehrgeizigen Zielen messen lassen wollen müssen.

Die „Konservativierung“ der Planung nimmt die Bank schon von ganz alleine vor. Sie können davon ausgehen, dass jede gute Bank Ihre Planung noch einmal plausibilisieren und validieren wird. Und dabei wird es in den allermeisten Fällen schon zu einer automatischen Reduktion von Umsatz und Ergebnis seitens der Bank kommen. Insofern ist ein vorauseilender Gehorsam Ihrerseits nicht im Mindesten erforderlich. Ganz im Gegenteil: Wenn Sie sich selbst schon kleinrechnen und der Banker es auch noch einmal tut, stehen Sie planerisch am Ende schlechter da als angebracht und verlieren womöglich einen benötigten Kredit.

Fazit

Die ehrenwerte Mentalität des verantwortungsvollen Unternehmers zu einer konservativen Planung ist im Prozess der Kreditbeantragung nicht sinnvoll. Als Unternehmer müssen Sie sich ehrgeizige Ziele setzen, diese plausibilisieren können und sich an diesen messen lassen. Eine Reduzierung Ihrer Planung vom sog. „Management Case“ auf den konservativeren „Base Case“ nimmt die Bank schon von alleine vor.

Aber bitte, verstehen Sie meine Worte nicht dahingehend, sich übermäßig stark zu rechnen, indem Sie Umsätze einfließen lassen, deren Realisierung Sie selbst für nahezu aussichtslos halten.

Ihre Planung soll lediglich Ihren unternehmerischen Ehrgeiz zu Wachstum und Ertragssteigerung widerspiegeln und nicht das kaufmännische Vorsichtspinzip.

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