Financial Covenants in der Unternehmensfinanzierung

Financial Covenants haben in der Unternehmensfinanzierung seit den Nachwehen der Finanzkrise zunehmend an Bedeutung gewonnen. In diesem Artikel erhalten Sie einen Überblick über Financial Covenants und ihre Verwendung in der Unternehmensfinanzierung.

Definition und Erklärung

Financial Covenants sind zusätzliche Vertragsklauseln oder Nebenabreden in Kredit- und Anleiheverträgen, mit denen dem Kreditnehmer die Verpflichtung zur Einhaltung bestimmter finanzieller Anforderungen auferlegt wird.

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Das Über- oder Unterschreiten bestimmter Werte kann dabei entweder Veränderungen der anwendbaren Marge oder schwerwiegendere Konsequenzen (Vertragsverstoß o.ä.) zur Folge haben.

deutsche Übersetzung

Der Begriff Financial Covenants kann wörtlich am ehesten mit „finanziellem Abkommen“ aus dem Englischen übersetzt werden. Allerdings ist der Begriff Financial Covenant schon in die deutsche Finanzsprache eingezogen und wird daher als „vereinbarte Finanzkennzahlen“ verstanden.

Kennzahlen

Die hierbei vereinbarten Kennzahlen können sich u.a. auf Eigenkapital, Verschuldung, Liquidität, Ertrag und Zinsaufwendungen beziehen. Es grundsätzlich möglich, nahezu alle denkbaren Kennzahlen zu Financial Covenants Kennzahlen zu machen.

Die wohl beliebtesten Fiancial Covenants sind der Nettoverschuldungsgrad (auch: leverage ratio) und der Zinsdeckungsgrad.

Beide sind deswegen auch in Kombination so wirkungsvoll, weil der Nettoverschuldungsgrad stichtagsbezogen ist, der Zinsdeckungsgrad aber fortlaufend ermittelt wird. Damit hat man einerseits einen starren Financial Covenant (Nettoverschuldungsgrad) und einen dynamischen (Zinsdeckungsgrad).

Daneben wird auch das Gearing gern als Kennzahl eingesetzt.

Beispiel

Ein Unternehmen erhält im Rahmen einer Prolongation des Konsortialkredits als zusätzliche Auflage einen Financial Covenant, anhand dessen sich die vom Kreditnehmer im Folgezeitraum zu zahlende Marge bestimmt. 

Hierzu das im Vertrag vereinbarte Margin Grid / Margenraster:

Nettoverschuldungsgrad
(Net Debt / EBITDA)

anwendbare Marge (in bp p.a.)

≥ 3,5x

375

<3,5x bis ≥ 3,0x

325

<3,0x bis ≥ 2,5x

275

≤ 2,5x

225

Anhand des Margin Grid lässt sich sehr gut ablesen, welche Kreditmarge auf den Einstand der Kreditnehmer zu bezahlen hat, wenn der Financial Covenant Nettoverschuldungsgrad  zum jeweiligen Stichtag bestimmte Werte annimmt.

Financial Covenants und IFRS

Der Verstoß gegen die Einhaltung von Financial Covenants löst eine Berichtspflicht nach IFRS 7 aus,da Angaben über das unternehmenseigene Kreditrisiko entscheidungsrelevante Abschlussinformationen darstellen.

Non-Financial Covenants

Non-Financial Covenants sind weitere Klauseln im Kreditvertrag, die zwar nicht unmittelbar wohl aber mittelbar die Finanzen des kreditnehmenden Unternehmens betrifft. Sie haben ebenfalls den Zweck, das materielle Kreditrisiko für den Kreditgeber zu mindern bzw. nicht weiter zu erhöhen.

Zu nennen sind hier insbesondere die Pari-passu-Klausel, Negativerklärung, Cross-Default-Clause oder die Collective Action-Clause.

Bedeutung und Verbreitung

Im Zuge der Finanzkrise gewannen die Financial Covenants zunehmend an Bedeutung. Die Banken, die in jener Zeit deutlich restriktiver in ihrer Kreditvergabe geworden waren, konnten so etwas mehr Kontrolle über das Geschehen im Kreditverlauf gewinnen. Für das kreditnehmende Unternehmen hingegen ist die Überwindung zur Vereinbarung überschaubar. Es ist ja schließlich „t0“ und niemand rechnet damit, dass die Planung nicht eintreten könnte.

Und so finden sich heute Financial Covenants zunehmend gerade im größeren deutschen Mittelstand. Es finden Vereinbarungen von Financial Covenants im Rahmen von

Im Grunde lässt sich jeder Kreditvertrag zusätzlich mit Financial Covenants ausstatten. Die Bank wird nur im Einzelfall eine Abwägung vornehmen, inwieweit Aufwand (Vereinbarung und Monitoring) und Nutzen (Senkung materielles Kreditrisiko) in einem guten Verhältnis stehen.

Eine weiterführende, sehr interessant Lektüre zu den neuesten Entwicklungen bietet die Roland-Berger-Studie.

Headroom

Headroom bezeichnet im Zusammenhang mit Financial Covenants den Spielraum, der noch zwischen Financial Covenant und Planzahlen des Unternehmens besteht.

Beispiel 2

Ein mittelständisches Unternehmen ermittelt in der eigenen Planung zum Geschäftsjahresende 2018 einen Nettoverschuldungsgrad von 2,3x. 

Mit der Bank wird daraufhin ein Covenant Net Debt / EBITDA in Höhe von 2,7x per Geschäftsjahresende 2018 in den Kreditvertrag aufgenommen.

Dementsprechend besteht ein Headroom von rund 17,4%.

Waiver

Wenn ein vereinbarter Financial Covenant gebrochen wird, liegt formaljuristisch zuerst einmal ein Vertragsbruch vor. Die Bank kann dementsprechend den Kredit fällig stellen und Rückzahlung verlangen.

Wenn dies auch in einigen Fällen zum Erfolg führen könnte, wird es doch oftmals das kreditnehmende Unternehmen in echte finanzielle Bedrohungen bringen.

Dementsprechend hat die Bank in der Regel kein Interesse daran, den Kreditvertrag sofort zu kündigen.

Stattdessen beantragt der Kreditnehmer – sobald für ihn ersichtlich wird, dass eine Einhaltung im Reporting-Zeitraum nicht möglich ist – einen sogenannten „Waiver“.

Waiver bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die kreditgebende Bank auf ihr Recht auf Kreditkündigung aus dem Nichteinhalten vereinbarter Finanzkennzahlen verzichtet.

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Die Bank wird daraufhin die Zahlen des Kunden genau überprüfen und ihr Kreditrisiko neu ermitteln, ehe sie sich für oder gegen eine Beibehaltung des Kreditverhältnisses entscheidet. Eine weitere Folge für den Kunden kann auch eine Konditionsänderung sein.

Die Bank lässt sich für die Bearbeitung eines Waivers eine Bearbeitungsgebühr entrichten.

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