Hybridkapital – Begriff, Bedeutung, Konditionen

Ein weiterer Begriff der im Verlauf meiner bisherigen Artikel bereits das eine oder andere Mal gefallen ist, ist das Hybridkapital.

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Haben Sie als Gründer, selbständiger Gewerbetreibender oder Unternehmer in der jüngeren Vergangenheit einen Kredit beantragt?

Wenn ja, wird Ihnen vielleicht schon aufgefallen sein, dass die Kreditvergabe von Banken immer restriktiver geworden ist.

Dadurch ergibt sich für Gründer und bestehende Firmen ein immer größeres Interesse an neuen Finanzierungsformen, die sich von der klassischen Bankfinanzierung unterscheiden.

In diesem Artikel geht es um den Begriff des Hybridkapitals, die Auswirkungen des Hybridkapitals auf die Eigenmittelquote, die aktuelle Bedeutung des Hybridkapitals für den deutschen Mittelstand, gängige Konditionen und mögliche Anbieter auf dem deutschen und europäischen Markt für Hybridkapitalfinanzierungen.

Begriffe: Hybridkapital oder Mezzanine-Kapital?

Wenn es um Finanzierungsformen geht, die sich irgendwo zwischen Eigenkapital und Fremdkapital bewegen, taucht neben dem Hybridkapital auch immer wieder der Begriff Mezzanine-Kapital auf. Aber welche Bezeichnung ist nun richtig bzw. worin besteht der Unterschied zwischen beiden Begrifflichkeiten?

Nun, die Antwort ist einfach: Es gibt keinen Unterschied.

Beide Bezeichnungen beschreiben Finanzierungsarten, die zwischen klassischem Eigenkapital und Fremdkapital einzuordnen sind.

Beide Begriffe sind also Synonyme für ein und das selbe.

Eigenkapital oder Eigenmittel?

Wir halten also fest, dass Hybridkapital nicht nur das gleiche bedeutet wie Mezzanine-Kapital, sondern auch eine Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital darstellt.

Eine Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital? Diese Klassifizierung erscheint Ihnen in der Welt der Finanzierung, die ja sonst von sehr exakten Regelungen und Begriffen bestimmt wird, etwas zu ungenau?

Dann liegen Sie mit diesem Gefühl vollkommen richtig.

Um den genauen Charakter des Hybridkapitals zu verstehen, muss man noch etwas genauer differenzieren und zwischen der Sichtweise des HGB und der Banken (als klassischen Fremdkapitalgebern) unterscheiden:

1. aus Sicht des HGB

Damit Kapital in der Bilanz dem Eigenkapital zugeschlagen werden kann, müssen die folgenden 4 Voraussetzungen kumulativ, also gemeinsam vorliegen:

  1. Nachrangigkeit,
  2. Erfolgsabhängigkeit,
  3. (volle) Teilnahme am Verlust und
  4. Langfristigkeit der Kapitalüberlassung.

Aus der klassischen Sicht des HGB liegt demnach nur dann Eigenkapital vor, wenn diese vier Voraussetzungen zusammen gegeben sind.

Auch ohne die genauen Hybridkapital-Konditionen zu kennen, können Sie sich wahrscheinlich vorstellen, dass diese vier Bedingungen nie erfüllt sein werden.

Weder haben Sie in Interesse daran, Ihren jährlichen Gewinn (teilweise) an Ihren Hybridkapitalgeber auszuschütten. Noch wird dieser ein Interesse daran haben, Ihre (möglichen) Verluste mit zu tragen.

Es muss also noch eine weniger strenge Sichtweise auf den Eigenkapitalcharakter bestimmter Finanzierungsformen geben.

2. die Sichtweise der Bank

Da die Interessen der Banken etwas anders gelagert sind als das Vorsichtsprinzip des HGB, haben Banken in Ergänzung zum Eigenkapital gem. HGB den Begriff der Eigenmittel eingeführt.

Unter Eigenmitteln verstehen Banken Finanzierungen, die zwar kein Eigenkapital gem. HGB sind, aber aufgrund ihrer konkreten Ausgestaltung die Haftungsmasse des Unternehmens stärken und somit eigenkapitalähnlich sind.

Damit eine Bank Kapital zu den Eigenmitteln zählt, müssen nur noch zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Langfristigkeit und
  2. Nachrangigkeit.

Somit zählt Hybridkapital zwar immer noch nicht zum Eigenkapital im Sinne des HGB, zu den Eigenmitteln aus Sicht der Banken aber eben schon.

aktuelle Bedeutung

1. stärkt die Bonität

Wie in der Einleitung bereits dargestellt, ist die Kreditvergabe der Banken spätestens seit Basel II immer restriktiver geworden.

Das heißt, die Voraussetzungen um an an einen Kredit zu kommen, sind für Unternehmer immer schwieriger geworden.

Indem aber das Hybridkapital von Banken zu den Eigenmitteln gezählt wird, stärkt es die Bonität, also Kreditwürdigkeit des Unternehmens.

Dadurch kann Hybridkapital die notwendigen Voraussetzungen für eine weitere Fremdkapitalaufnahme schaffen.

2. Versicherung Geschäftsmodell

Gerade für den deutschen Mittelstand wird die Bedeutung von Hybridkapital zunehmend wichtiger, da somit längere Entwicklungs-, Wachstums- oder Veränderungsphasen durchgestanden werden können, auch wenn die Erfolge sich nicht sofort einstellen.

Die Implementierung von Hybridkapital schafft in diesen Fällen einen Risikopuffer für mögliche negative Entwicklungen in der Zukunft (sog. Geschäftsmodellversicherung).

3. Leverage Finance

Daneben ist Hybridkapital im Falle von gehebelten Akquisitionsfinanzierungen (Leverage Finance) oftmals unbedingt erforderlich, da mit Hilfe von Hybridkapital der Eigenkapitaleinsatz von Investoren gering gehalten werden kann.

Bedingungen

In der Praxis lässt sich feststellen, dass Hybridkapital sehr unterschiedlich und individuell ausgestaltet ist.

Das liegt einerseits daran, dass Hybridkapital wesentlich weniger reguliert ist als andere Finanzierungsarten.

Andererseits aber auch daran, dass Hybridkapital gerade sehr flexibel einsetzbar bleiben soll, um damit viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten zu verfolgen.

Dennoch lassen sich einige Tendenzen oder immer wiederkehrende Ausstattungsmerkmale erkennen:

1. Verzinsung

Wie oben bereits dargestellt, erfolgt in der Regel keine Beteiligung des Kapitalgebers am Gewinn des finanzierten Unternehmens. Lediglich in einzelnen Ausgestaltungen findet eine Teilweise Beteiligung in Form eines sogenannten Equity Kickers statt.

Stattdessen wird auch Hybridkapital fest verzinst. Die Verzinsung liegt aber im Vergleich höher als bei einer klassischen Bankfinanzierung, was mit dem höheren Risiko (Nachrangigkeit und lange Laufzeit), das der Kapitalgeber zu tragen hat, und den höheren Prüfungskosten zu erklären ist.

Neben der Verzinsung sind oftmals auch noch Transaktionskosten in Form einer Bearbeitungsgebühr oder Fee für die Arrangierung der Finanzierung zu entrichten.

2. Laufzeit

Hybridkapital verfügt in der Regel über eine längere Laufzeit als Bankfinanzierungen.

Dies natürlich schon, um den Erfordernissen an eine Klassifizierung als Eigenmittel (siehe oben) gerecht zu werden.

So finden sich im Hybridkapital selten Laufzeiten von weniger als 7 Jahren.

In der Regel weist Hybridkapital Laufzeiten zwischen 7 und 10 Jahren auf.

Längere Laufzeiten sind natürlich möglich. Hier zeigt sich die Flexibilität des Hybridkapitals.

3. Rückzahlung

Auch bei der Rückzahlung sind unterschiedlichste Konstellationen möglich.

Sowohl eine ratierliche (quartalsweise, halbjährlich oder jährlich) wie eine endfällige Rückzahlung am Laufzeitende sind denkbar und möglich.

In der Praxis sind regelmäßig eher endfällige Rückzahlungsmodelle verbreitet, da das Unternehmen oftmals gerade das Hybridkapital lange benötigt, um sich im Wettbewerb zu halten und die Bankfinanzierungen zu tilgen.

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4. Financial Covenants

Wie bei konsortialen Finanzierungen, sind auch die Verträge über die Zurverfügungstellung von Hybridkapital oftmals mit Kündigungsmöglichkeiten des Kapitalgebers im Falle des Bruches bestimmter Finanzkennzahlen (Financial Covenants) ausgestattet.

Gängige Covenants sind neben der Eigenmittelquote oftmals der Verschuldungsgrad (Net Debt / EBITDA) und der Zinsdeckungsgrad.

Anbieter

Hybridkapital wird mittlerweile von den unterschiedlichsten Seiten angeboten.

Neben klassischen Banken und deren Tochtergesellschaften haben sich besondere Private Equity Fonds, Beteiligungsgesellschaften aber auch einzelne Family Offices darauf spezialisiert, dem Mittelstand Hybrodkapital zur Verfügung zu stellen.

Schluss

Hybridkapital ist – wie Mezzanine-Kapital – eine Mischform zwischen Eigenkapital und Fremdkapital.

Es zählt zwar nicht zum Eigenkapital im Sinne des HGB, wird aber von Banken zur Eigenmittelquote gezählt.

Dadurch stärkt es die Eigenmittelbasis eines Unternehmens und seine Kreditwürdigkeit.

Neben seiner Bedeutung in speziellen Finanzierungsformen wächst seine Bedeutung für den deutschen Mittelstand zunehmend (Stichwort: Geschäftsmodellversicherung).

Es lassen sich in der Praxis immer wieder Tendenzen und wiederkehrende Ausstattungsmerkmale feststellen. Insbesondere eine feste, im Vergleich höhere Verzinsung und lange Laufzeiten gehören dazu.

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