Konsortialkredit, syndizierter Kredit–Definition, Syndizierung

Bis vor wenigen Jahren kannte der Markt für Konsortialkredite in Deutschland nur eine Entwicklungsrichtung: Jahr für Jahr stieg das insgesamt ausgereichte Volumen. Durch alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Schuldscheindarlehen und die (mittlerweile in Verruf geratene) Mittelstandsanleihe wurde dieser Trend vorübergehend zumindest gebremst. Dennoch gibt es nach wie vor einige Argumente, die für den Konsortialkredit als Finanzierungsinstrument sprechen und es lohnt sich daher, diesen etwas genauer anzuschauen.

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Definition Konsortialkredit

Ein Konsortialkredit ist ein Kredit, der einem oder mehreren Kreditnehmern von mehreren Kreditgebern zu einheitlichen Bedingungen gewährt wird.

Merkmale

Die wesentlichen Merkmale des Konsortialkredits sind daher

  1. mehr als ein Kreditgeber und
  2. Kreditvergabe zu einheitlichen Kreditbedingungen.

wirtschaftliche Bedeutung

Der Konsortialkredit ist in der Finanzierung von Unternehmen („Corporate Finance“) immer noch von enormer Bedeutung. Die zentrale Erklärung hierfür liegt einerseits in der Risikoverteilung auf mehrere Banken. So kann schon die alleinige Finanzierung von Unternehmen des Mittelstands für eine Bank ein zu großes Risiko darstellen. Dieses kann durch die Verteilung der Finanzierung auf mehrere Banken für eine einzelne Bank gemindert werden.

Andererseits wird mit der einheitlichen Konsortialfinanzierung aber auch vermieden, dass der Kreditnehmer eine Vielzahl von Krediten zu unterschiedlichen Bedingungen aufnehmen und mit den Kreditgebern verhandeln muss.

alternative Bezeichnungen

Alternative Begriffe für den Konsortialkredit sind Konsortialfinanzierung, Konsortialdarlehen,  syndizierter Kredit, syndiziertes Darlehen und Metakredit. Insbesondere besteht kein Unterschied zwischen Konsortialkredit und syndizierter Kredit.

englische Übersetzung

Die englische Übersetzung für Konsortialkredit lautet „syndicated loan“ oder kurz „syn loan“.

Abgrenzung

Ein Club Deal ist eine spezielle Form des Konsortialkredits, die sich dadurch auszeichnet, dass die Kreditvolumina tendenziell kleiner sind und beteiligten Banken meist Hausbanken des Kreditnehmers bzw. von ihm benannte Banken sind.

Ein Schuldscheindarlehen ist demgegenüber ein anleiheähnlicher Kredit, der hinsichtlich Strukturierung (Tilgungsmöglichkeiten, Laufzeitenkombinationen, Verlängerungsoptionen, Besicherung) im Vergleich zum Konsortialkredit beschränkt ist und meist nur einem eingeschränkten Kreis potenzieller Kreditnehmer (zumeist bonitätsstarke Unternehmen) überhaupt zur Verfügung steht.

Bei einer Kreditunterbeteiligung (auch „Risikounterbeteiligung“) handelt es sich hingegen nicht um einen Kredit, sondern nur um eine Haftungsübernahme. Der Unterbeteiligte tritt nicht selbst als Kreditnehmer auf, sondern übernimmt für einen Kreditnehmer die oder einen Teil der Haftung.

Eine Ancillary Linie ist ebenfalls kein eigenständiger Kredit sondern eine Abzweiglinie unter dem Konsortialkredit und zu dessen Bedingungen. Sie wird allerdings im Unterschied zur Konsortialfinanzierung nicht über die Agency abgewickelt sondern bilateral zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber. Sie findet insbesondere bei Kreditausreichung in einer Währung, die nicht Währung des eigentlichen Konsortialkredites ist, Anwendung.

Beteiligte

Der Arrangeur (engl. „Arranger“) wird vom zukünftigen Kreditnehmer mit der Arrangierung des Konsortialkredits beauftragt. Die Arrangierung umfasst die Strukturierung, Syndizierung und Dokumentation des Kredits. Der Arrangeur hat regelmäßig den Anspruch Konsortialführer zu werden und unterstreicht diesen Anspruch ebenso regelmäßig durch Übernahme des größten Anteils an der gesamten Konsortialfinanzierung.

Der Konsortialführer vertritt die Kreditgeber einheitlich gegenüber dem Kreditnehmer. Dabei ist er an die Weisungen der Kreditgeber gebunden. Die Konsortialführerschaft kann auch von mehreren Banken übernommen werden.

Das Konsortium ist die Gesamtheit aller Kreditgeber, die auch als Konsorten bezeichnet werden. Sie bilden nach deutschem Recht eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR oder BGB-Gesellschaft), §§ 705 ff. BGB.

Der Agent (oder Facility Agent) übernimmt die Funktion einer Zahl- und Kommunikationsstelle im Rahmen des Konsortialkredits. So laufen alle Kommunikationen und Zahlungen zwischen Konsorten und Kreditnehmern in der Regel über den Agenten. So gehören insbesondere die Entgegennahme von Ziehungsbegehren des Kreditnehmers, die Weiterleitung von Informationen des Kreditnehmers an die Kreditgeber und die Entgegennahme von Zins- und Rückzahlungen zu den Aufgaben des Agenten. Die Funktion des Agenten kann mit der Funktion des Konsortialführers zusammenfallen, muss sie aber nicht.

Arten

echter Konsortialkredit

Beim echten Konsortialkredit findet ein zentralisierter Vertragsabschluss entweder mit dem  Konsortium als GbR („Außenkonsortium“ – offener Konsortialkredit) oder dem Konsortialführer („Innenkonsortium“)  statt. Die Forderungen und Verbindlichkeiten werden also „gepoolt“. Der Konsortialführer hat weite Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnisse.

unechter Konsortialkredit

Der unechte Konsortialkredit ist hingegen kein einheitlicher Kredit des gesamten Konsortiums sondern nur eine Zusammenfassung mehrerer rechtlich selbständiger Kreditverträge einzelner Konsortialbanken in einer Urkunde. Juristisch verbleiben die Forderungen und Verbindlichkeiten bei den Konsortialbanken und werden nicht zentral gepoolt. Die Abwicklung des Kredits erfolgt über die Konsortialbanken selbst; der Konsortialführer dient lediglich als Zahlstelle.

Ablauf

Der Ablauf zur Umsetzung eines Konsortialkredits gliedert sich regelmäßig in 4 Phasen:

  1. Strukturierung
    (Entwicklung und Abstimmung Term-Sheet, Mandatierung Arrangeur, interne Kreditgenehmigung Arrangeur)
  2. Syndizierung
    (Abstimmung und Einladung Banken, interne Kreditgenehmigung Banken)
  3. Dokumentation
    (Erstellung und Abstimmung Kreditvertrag)
  4. Abschluss
    (Unterzeichnung Kreditvertrag, Auszahlung)

Struktur

Ein großer Vorteil des Konsortialkredits besteht in der relativen Flexibilität der Struktur. So können zum Beispiel in einem Konsortialkredit durchaus Betriebsmittelkredite mit Investitionskrediten oder Akquisitionskrediten verbunden werden. Die Struktur der Konsortialfinanzierung kann unmittelbar an den Bedürfnissen des Kreditnehmers ausgerichtet werden. Der vorherigen eingehenden Analyse und Beratung des Kreditnehmers kommt damit eine besonders hohe Bedeutung zu.

Volumen

Konsortialkredite sind in der Regel erst ab einem Volumen von ca. EUR 20 Mio. möglich. Nach oben ist das Volumen prinzipiell offen, wird aber natürlich von der Risikobereitschaft der beteiligten Banken begrenzt.

Sicherheiten und Sicherheitenpools

Die Sicherheiten richten sich nach dem Verwendungszweck der Kredittranchen (Sicherungsübereignung Warenlager und Zession Forderungen bei Betriebsmittelkredit, Sicherungsübereignung Investitionsgut bei Investitionskredit bei Investitionskredit) und der Bonität des Kreditnehmers. So sind auch durchaus unbesicherte Konsortialkredite möglich. Etwaige Sicherheiten stehen im Wege eines Sicherheitenpools allen Konsorten gemeinschaftlich zur Verfügung.

Laufzeit

Die Laufzeit richtet sich primär nach den Bedürfnissen des Kreditnehmers, ist aber auch von der Risikobereitschaft der beteiligten Banken abhängig. Aktuell werden am Markt Laufzeiten von 3 bis 5 Jahren aufgerufen, bei Folgetransaktionen auch mit Verlängerungsoptionen (z.B. 3+1+1 oder 5+1+1).

Gebühren und Kosten

Die Gebühren für einen Konsortialkredit unterteilen sich in die Arrangierungsprovision (Strukturierungsgebühr) für den Arrangeur, die Beteiligungsprovision für alle Konsorten (inkl. des Konsortialführers), die Agency Fee für den Facility Agent und ggf. die Sicherheitenagentschaftsprovision für einen etwaigen zusätzlichen Sicherheitenagent.

Die konkrete Höhe der Gebühren richtet sich insbesondere nach dem Volumen und der Struktur des Konsortialkredits, der Schwierigkeit der Syndizierung, der Anzahl der beteiligten Banken und dem Umfang der Sicherheiten.

Bilanzierung

Die Bilanzierung des Konsortialkredits erfolgt auf Seiten des Kreditnehmers unter „Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten“ in einer Summe. Aus der Bilanz geht daher nicht hervor, welche Inanspruchnahmen bei welchen Konsorten bestehen.

Rechtsgrundlagen

Neben den Vorschriften des BGB zur Rechtsstellung der Konsorten untereinander und der Geschäftsführung, finden sich wichtige Vorschriften bezüglich Meldewesen bzw. Meldepflicht von Konsortialkrediten als Groß- und Millionenkredite im Gesetz über das Kreditwesen (KWG), der Capital Requirements Regulation / Kapitaladäquanzverordnung – CRR) und der Großkredit- und Millionenkreditverordnung (GroMiKV).

Fronting

Von „Fronting“ spricht man, wenn eine Bank (die Fronting Bank) die Konsorten im eigenen Namen, aber auf fremde Rechnung vertritt. (Siehe oben unter „echter Konsortialkredit“ und „Innenkonsortium“).

Underwriting

Underwriting bedeutet, dass der Arrangeur (allein oder gemeinsam mit anderen Banken) die Übernahme der noch ausstehenden Kreditsumme garantiert, falls diese im Rahmen der Syndizierung nicht platziert werden kann. Hierdurch weiß der Kreditnehmer von Anfang an, dass der Kredit in jedem Fall zustande kommt.

Best Effort

Best Effort (dt. „größte Bemühung“) bedeutet hingegen, dass das Risiko des Nichtzustandekommens des Konsortialkredites nach wie vor beim Kreditnehmer liegt. Denn die endgültige Höhe der Kreditgewährung hängt von den tatsächlich übernommenen Konsortialanteilen der Konsorten ab.

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • relativ hohe Kreditvolumina zu einheitlichen Bedingungen
  • Zusammenfassung mehrerer einzelner Kreditlinien bei verschiedenen Banken
  • relativ einfache und schnelle Erweiterung des Bankenkreises
  • Planungssicherheit durch Kreditzusage und feste Marge / festes Margengitter für vereinbarte Laufzeit
  • Kündigungsmöglichkeit Kreditgeber nur bei Mehrheitsentscheid
  • ein Ansprechpartner für den Kunden (Arrangeur)
  • weniger Zeitaufwand, da weniger Einzelverhandlungen
  • besonders für Unternehmen in Wachstumsphasen geeignet
  • Gleichbehandlung aller Banken wird sichergestellt

Nachteile:

  • höhere Gebühren im Vergleich zu bilateralen Krediten
  • Verhandlung mit Bankenkonsortium kann schlechtere Verhandlungsposition und damit höhere Marge bedeuten
  • sehr detaillierte kreditvertragliche Bedingungen
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