Margin Grid / Margenraster – Faktoren, Anwendung, Nutzen

Nicht nur in konsortialen, sondern auch in normalen Kreditverträgen kommt immer öfter ein Margin Grid zur Anwendung. Da dies ein weiterer Begriff ist, den ich bisher zwar schon verwendet aber noch nicht definiert habe, möchte ich das heute nachholen. 

Was ist ein Margin Grid?

Tatsächlich ist ein Margin Grid nichts anderes als ein Raster, indem die jeweils anwendbare Marge – in Abhängigkeit von einem anderen Faktor – dargestellt wird. Wenn in einem Kreditvertrag zwischen Ihnen und einer Bank ein Margin Grid zur Anwendung kommt, ist die Marge nicht einfach starr fixiert, sondern bemisst sich nach einem weiteren Faktor, den Sie mehr oder weniger beeinflussen können.

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Welche Faktoren sind möglich?

Prinzipiell kann man auch hier wieder sagen: Jede Zahl oder Kennzahl ist theoretisch als Faktor für die Bestimmung der anwendbaren Marge denkbar. In der Regel wird dieser Faktor allerdings ein Financial Covenant sein, der für den Kreditvertrag bereits vereinbart wurde. Für das Margin Grid sind dann z.B. der Nettoverschuldungsgrad (Net Debt / EBITDA) oder der Zinsdeckungsgrad (EBIT / Zinsaufwendungen) besonders beliebte Faktoren.

Ein mögliches Margin Grid könnte daher in etwa wie folgt aussehen:

Nettoverschuldungsgrad
(Net Debt / EBITDA)

anwendbare Marge (in bp p.a.)

≥ 3,5x

375

<3,5x bis ≥ 3,0x

325

<3,0x bis ≥ 2,5x

275

≤ 2,5x

225

Praktische Anwendung

Um den für Sie relevanten Zinssatz nun im konkreten Fall zu berechnen, müssen Sie sich also anhand der von Ihrem Unternehmen in der vergangenen (und vereinbarten) Betrachtungsperiode (Quartal, Halbjahr oder Jahr) erreichten Finanzkennzahl (hier: Nettoverschuldungsgrad) die für Sie relevante Marge aus dem Margin Grid ‚raussuchen und zu dem Referenzzinssatz (in der Regel EURIBOR oder EONIA) oder Festzinssatz in Ihrem Kredit dazuaddieren.

Nutzen

Mithilfe eines solchen Margin Grids gibt die Bank das durch die Verbesserung / Verschlechterung der Finanzkennzahl verbesserte / verschlechtere Risiko an Sie als Kunden weiter. Eine Verbesserung in der relevanten Finanzkennzahl wird also belohnt, wohingegen eine Verschlechterung „bestraft“ wird. – Ein zweischneidiges Schwert also. Insgesamt ist aber zu konstatieren, dass durch das Margin Grid nicht nur der Bank eine situationsgerechtere Risikobepreisung ermöglicht wird, sondern Ihnen auch eine situationsgerechtere Verzinsung – insgesamt also tatsächlich eine Win-Win-Situation.

Fazit

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Sie werden feststellen, dass die Einbindung von Margin Grids oder Margen Rastern in Kreditverträge immer beliebter wird. Wie Sie oben unter „Nutzen“ bereits sehen konnten, bietet die reaktive Margengestaltung über ein Margin Grid sowohl Ihnen als auch der Bank den Nutzen einer situationsgerechteren Verzinsung. Allerdings kann die regelmäßige Anpassung für Sie als Kreditnehmer auch schnell zum zweischneidigen Schwert werden.

Es ist daher dringend geboten, die Stufen innerhalb des Margin Grids angemessen zu gestalten. So dass Ihrem Unternehmen durch die Gestaltung einerseits „Luft zum Atmen bleibt“ und andererseits Verbesserungen der Finanzkennzahlen auch angemessen honoriert werden.

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