STEP Analyse Beispiel

In meinem Artikel STEP Analyse – Definition, Nutzen und Grenzen habe ich ja die STEP Analyse bzw. PEST Analyse bereits genauer vorgestellt.

Da von einigen meiner Leser wiederholt der Wunsch nach einem praktischen Beispiel für eine STEP Analyse geäußert worden ist, möchte ich diesem Wunsch heute nachkommen.

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Ich stelle in diesem Artikel das STEP Analyse Beispiel anhand der Daimler AG vor.

Die STEP Analyse

Zur Erinnerung hier noch einmal die wesentlichen Elemente der STEP Analyse als Auszug aus meinem vorangegangenen Artikel, ehe wir mit dem STEP Analyse Beispiel fortfahren.

Die Analyse erfolgt beim STEP oder PEST Modell nach speziellen Kriterien bzw. Faktoren, deren Anfangsbuchstaben zusammen die Abkürzung STEP oder eben PEST als Akronym ergeben:

Sozio-kulturelle Faktoren – das Bildungsniveau, das Einkommensniveau, die Bevölkerungs- und demografische Entwicklung sowie der regionale Arbeitsmarkt und Werte und Lebensstil in der Umwelt des Unternehmens.

Technologische Faktoren – aktuelle und zukünftige Technologien sowie Forschung der Wettbewerber und Forschungsausgaben des Staates.

Ökonomische Faktoren – die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung, die Geldwertentwicklung, das aktuelle Zinsniveau, der Arbeitsmarkt und mögliche Lieferanten.

Politische Faktoren – Einflussnahme des Staates: die Regulierungen in einer bestimmten Branche, die Fiskalpolitik, die allgemeine politische Stabilität oder mögliche Subventionen.

Zur genaueren Analyse wird das STEP Modell in manchen Fälle um ökologische (STEEP Analyse) und / oder rechtliche Faktoren (STELP Modell) erweitert.

STEP Analyse Beispiel: Daimler

Im Folgenden werde ich nun die STEP Analyse bzw. PEST Analyse am Beispiel Daimler demonstrieren:

1. Politische Faktoren

Im Rahmen dieses Faktors hat insbesondere die politische Stabilität besonderes Gewicht.

Da Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten politisch sehr stabil ist, gibt es hier (aktuell) keine Probleme. Anders sähe die Situation in Staaten mit defekter Demokratie und regelmäßigen politischen Umstürzen aus.

Die Regulierungen in der Automobilbranche sind bis jetzt noch überschaubar (bis jetzt nur Abgas; Elektromobilität und evtl. autonomes Fahren aber absehbar) und unternehmerisch beherrschbar. Ganz anders hätte hier das Ergebnis für die Bankenbranche ausgesehen: Zunehmende Regulierungen wurden hier zur Belastung der gesamten Branche.

Ganz im Gegenteil konnte die Automobilbranche in der jüngeren Vergangenheit doch aufgrund ihrer bedeutenden Stellung für den Wirtschaftsstandort Deutschland sogar auf Subventionen aus der Politik zählen (Abwrackprämie).

2. Ökonomische Faktoren

Aktuell muss der ökonomische Staus Quo zweigeteilt betrachtet werden:

Auf der einen Seite die klassischen westlichen Industriestaaten mit niedrigem oder sogar stagnierendem Wachstum, niedriger Inflation, niedrigen Zinsen, niedriger bis mittlerer Arbeitslosigkeit und sehr guter Infrastruktur.

Auf der anderen Seite die Schwellenländer (Emerging Markets) mit starkem Wachstum, erhöhter Inflation, höheren Zinsen, sehr heterogenen Arbeitsmärkten und Infrastrukturen.

Die weltwirtschaftliche Entwicklung kann also insgesamt als robust mit regionalen Unterschieden bezeichnet werden. Die Daimler AG kann hierbei mit Fertigungsstätten und Vertriebsstandorten in der ganzen Welt als Global Player angesehen werden, der auf regional unterschiedliche Entwicklungen angemessen reaktionsfähig ist.

Daneben müssen die Absatzmärkte aber als eher gesättigt angesehen werden, was einen erhöhten Bedarf nach Ausweitungen der Modellpalette erzeugt.

3. Soziale Faktoren

Wiederum teilweise sehr heterogene Entwicklungen zwischen klassischen westlichen Industriestaaten und Emerging Markets. daher nur auszugsweise:

In den westlichen Absatzmärkten dominiert der demographische Wandel, was einen erhöhten Bedarf nach Fahrzeugen für die ältere Generation schafft.

Global sehr ausgeprägte Unterschiede zwischen  ländlichen und urbanen Gegenden, was einen Trend zur Urbanisierung der (gut ausgebildeten) Arbeitskräfte zur Folge hat. Fertigungsstätten müssen daher eine gewisse Nähe zu Städten aufweisen können.

Ein insgesamt hohes Mobilitätsbedürfnis der Menschen, das für einen Grundabsatz sorgt.

4. Technologische Faktoren

Technologisch steht die Automobilbranche vor den vielleicht tiefgreifendsten Veränderungen ihrer Geschichte: Während Industrie 4.0 zum Gradmesser der Entwicklungen in der Produktion wird, bilden Elektromobilität und Autonomes Fahren die Herausforderungen für das Endprodukt.

Während deutsche Autobauer in den sogenannten 00er-Jahren ihre Vormachtstellung in der Welt wieder zurückerobern konnten, gewinnt die Konkurrenz im Wettlauf um die neuesten technologischen Entwicklungen zunehmend wieder an Boden (vgl. Motley Fool: Analyse zu Zulassungszahlen Elektromobilität).

Dafür ist eine staatliche Förderung der Elektromobilität in Deutschland absehbar.

Durch Hinzufügen der rechtlichen und ökologischen Faktoren kann das STEP Analyse Beispiel zu einem STELP bzw. STEEP Analyse Beispiel ausgeweitet werden:

5. Rechtliche Faktoren

In Deutschland existieren eine Vielzahl Vorschriften: Kartellrechtliche Vorschriften, Normierungen und Zertifizierungen technischer Standards sowie eine komplexe Steuergesetzgebung.

Diese sind aber sowohl negativ (hinderlich) als auch positiv (höhere Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber) zu werten.

Zudem schafft Daimlers Stellung als Global Player eine geringe Abhängigkeit vom Heimatmarkt Deutschland.

6. Ökologische Faktoren

Ökologische Faktoren haben im Bewusstsein der westlichen Bürger in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen.

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Die konkreten Folgen sind strengere Abgasnormen und Umweltplaketten.

Es ist anzunehmen, dass dieses Umweltbewusstsein mit zunehmendem Wohlstand auch in den sogenannten Emerging Markets Einzug halten wird.

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