Delkredererisiko, Delkrederefunktion, Delkredereprovision

Wenn es um die Themen Factoring oder Forfaitierung bzw. allgemein Forderungsankauf geht, werden Ihnen die Begriffe Delkredererisiko, Delkrederefunktion und nicht zuletzt Delkredereprovision immer mal wieder begegnen.

Werbung

Im vorliegenden Beitrag möchten wir Ihnen daher einen Überblick über die Definition dieser Begriffe und ihre Bedeutung für den An- und Verkauf von Forderungen geben.

Delkredere – Definition, englische Übersetzung

 Die große Gemeinsamkeit zwischen den Begriffen Delkredererisiko, Delkrederefunktion und Delkredereprovision ist der gemeinsame Wortstamm „Delkredere“.

Der deutsche Begriff Delkredere ist von der italienischen Formulierung „del credere“ abgeleitet, welche übersetzt so viel wie „des Glaubens“ bedeutet.

So steht Delkredere ursprünglich für das Vertrauen eines Verkäufers in den Zahlungswillen und die Zahlungsfähigkeit eines Käufers.

Im deutschen Handelsrecht hat sich daraus eine besondere Form des Garantievertrags entwickelt, die bei Handelsvertretern und Kommissionären vorkommt:

Hiernach müssen der Kommissionär gegenüber dem Kommittenten bzw. der Handelsvertreter gegenüber seinem Geschäftsherrn für die Erfüllung der Verbindlichkeiten des Vertragspartners (Dritten) aus dem abgeschlossenen Geschäft einstehen.

Eine weitere Bedeutung hat sich im Rechnungswesen entwickelt: Hier steht Delkredere für die Wertberichtigung für voraussichtliche Forderungsausfälle.

Die englische Übersetzung für Delkredere lautet ebenfalls „del credere“.

Delkredererisiko – Definition, Zahlungsausfallrisiko, Debitorenrisiko, Inkassorisiko

 Das Delkredererisiko bezeichnet das Bonitätsrisiko, dass der Schuldner zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig ist oder in Zahlungsverzug gerät. Es handelt sich also um das allgemeine Risiko eines Forderungsausfalls.

Das Delkredererisiko gibt es demnach nicht nur beim Factoring und der Forfaitierung sondern in jedem Schuldverhältnis. Denn in jedem Schuldverhältnis trägt der Gläubiger das Risiko, dass der Schuldner nicht oder nicht rechtzeitig seine Schuld begleicht.

Alternative Bezeichnungen sind „Zahlungsausfallrisiko“, „Debitorenrisiko“ oder „Inkassorisiko“.

Neben der Hauptforderung umfasst das Delkredererisiko auch Nebenforderungen wie Schadensersatzforderungen, Verzugszinsen oder Vertragsstrafen.

Delkrederefunktion – Definition

Die Delkrederefunktion wiederum ist die Abwälzung des Delkredererisikos vom ursprünglichen Gläubiger auf einen am Ursprungsgeschäft unbeteiligten Dritten.

Im Falle des Factoring übernimmt der Factor regelmäßig eine Delkrederefunktion, indem er nicht nur die Forderung vom ursprünglichen Gläubiger ankauft sondern auch das Bonitätsrisiko vom ursprünglichen Gläubiger übernimmt: Wenn die Forderung ausfällt oder der Schuldner in Verzug gerät, hat der Factor dieses Risiko zu tragen.

Wenn der Factor bzw. Forfaiteur die Delkrederefunktion übernimmt, spricht man vom „echten Factoring“ bzw. der „echten Forfaitierung“. Übernimmt der Factor bzw. Forfaiteur das Delkredererisiko nicht, hingegen vom „unechten Factoring“ bzw. der „unechten Forfaitierung“.

Die Delkrederefunktion wird aber nicht ausschließlich von Factor oder Forfaiteur übernommen:

Das Delkredererisiko kann stattdessen auch von Kreditversicherungen („Delkredereversicherung“)  oder dem Bund übernommen werden. Diese beiden Varianten spielen insbesondere im Außenhandel eine wichtige Rolle.

Delkredereprovision

Für die Übernahme der Delkrederefunktion zahlt der ursprüngliche Gläubiger eine Delkredereprovision  an den Factor, Forfaiteur oder Kreditversicherer.

Die Delkredereprovision ist hierbei sowohl als Prämie für das versicherte Risiko als auch als Entgelt für den damit eventuell verbundenen Aufwand zu verstehen.

(Visited 16 times, 1 visits today)

Das könnte Sie auch interessieren.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.