5 Gründe, die gegen ETF sprechen

Im Prinzip sollte ich mich ja freuen und vielleicht sogar jubeln: Da habe ich es mir in 15 Jahren Praxis zur Aufgabe gemacht, Menschen (auch) methodisch und dogmatisch von einer Anlage in Investmentfonds zu überzeugen.

Und heute empfiehlt so ziemlich jeder kleinere oder größere Finanzblog ETF als das Anlage- und Vorsorgemodell der Zukunft.

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Aber wie schon bei meiner Einschätzung zum pauschalen Hochjubeln von Dividendenaktien, habe ich auch hier einige Einwände.

Genau genommen sind es 5:

ETF – All Quiet On The Western Front

Vorab möchte ich noch erwähnen, dass ETF mitnichten eine Neuentdeckung sind. Genau genommen sind ETF sogar älter als aktiv gemanagte Fonds.

Jahrzehntelang gab es gar keine anderen Fonds als solche, die einen Index abbildeten. Lediglich in Deutschland wurden ETF erst 1998 zugelassen.

Aber nach diesem kurzen geschichtlichen Abriss gleich zu den ökonomischen Betrachtungen:

1. keine staatliche Förderung

Zuerst einmal sollte erwähnt und bedacht werden, dass Sparen in ETF keinerlei staatliche Förderung beinhaltet.

Wer also fleißig in ETF anspart oder gar seine Altersvorsorge aufbaut, verzichtet auf Arbeitnehmer-Sparzulage, Wohnungsbauprämie und Riester-Förderung.

Die beiden Erstgenannten kommen zwar für viele Menschen nicht mehr in Frage, weil sie über den zulässigen Einkommensgrenzen liegen. Das gilt aber gerade nicht für junge Menschen und / oder Geringverdiener.

Gerade wer gerade erst aus Ausbildung oder Studium kommt, verdient oftmals noch wenig und ist auf jeden Cent staatlicher Förderung seiner Sparleistungen angewiesen.

2. keine steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge

Weiterhin sollte man keineswegs die steuerlichen Vorteile von Riester-Rente und Rürup-Rente unterschlagen:

Jeder Cent, der in Riester oder Rürup angespart wird, kann im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgabe geltend gemacht werden und ist per 2016 mit 82% abzugsfähig (bis zu 20.000 Euro).

Das heißt, von jedem Euro, der angespart wird, können in der Steuererklärung 2016 82 Cent geltend gemacht werden, was die Steuerlast entsprechend mindert. Dieser Anteil steigt bis 2015 auf dann 100%!

Das ist eine weitere mittelbare steuerliche Förderung, die enorm ist. Und zwar so enorm, dass Steuerberater vielen Mandanten mit hoher Steuerlast empfehlen, einen Riester oder Rürup abzuschließen.

3. nicht immer günstiger

Darüber hinaus wird immer wieder geschrieben, dass – im Gegensatz zu aktiv gemanagten Investmentfonds – bei ETF keine Ausgabeaufschläge anfallen und Letztere deswegen generell günstiger seien.

Dem möchte ich widersprechen: Da die ETF-Anteile an der Börse gekauft werden müssen, fallen hierbei – je nach konkreter Ausgestaltung – Ordergebühren bei der Bank sowie Provisionen und Spread auf Seiten der Börse an.

Wenn ich diese Kostenkomponenten alle zusammenrechne, komme ich nicht immer günstiger weg. Besonders bei kleineren Beträgen sind diese Gebühren äußerst schmerzhaft. Ein Sparplan kommt eigentlich fast gar nicht in Frage.

– auch nicht bei Direktbanken

Bei den Online- und Direktbanken wird es zweifellos etwas günstiger:

Bei diesen gibt es immer mal wieder Angebote, ETF-Anteile im Rahmen von Sparplänen zu Fixpreisen oder sogar gebührenfrei zu erwerben.

Wenn ich aber einen Fixpreis von 1,75% nur für den Ankauf eines passiven, also eigentlich ungemanagten Fonds nehme, empfinde ich das als ganz schön heftigen Preis.

Man sollte bedenken, dass man für den gleichen Preis durchaus schon aktiv gemanagte Rentenfonds und möglicherweise auch (bei konsequentem Verhandeln mit dem Bankberater) einen aktiv gemanagten Aktienfonds bekomme. Aktiv gemanagten Fonds pauschal den Mehrwert gegenüber Indexfonds abzusprechen, halte ich ebenso für sehr schnell geschossen. Tatsächlich ist das zwar bei der breiten Masse richtig, es gibt aber genauso einige Fondsgesellschaften, die sich von dieser breiten Masse seit Jahren abheben. Diese erwirtschaften sehr wohl eine Mehrrendite gegenüber Indexfonds; sind also ihren Mehrpreis auch wert!

Zusätzlich verzichte ich bei einer Direktbank auf jegliche Anlageberatung!

Das sollte man dazu sagen und sich jeder Kunde auch genau überlegen!

Ebenfalls gerade bei jüngeren Sparern ist das Korrektiv eines Anlageberaters keineswegs pauschal verzichtbar. Mein erster Anlageberater hat mich vor vielen Anlagefehlern bewahrt, die mich sehr viel Lehrgeld gekostet hätten.

4. kein Cost-Average-Effekt

Diese Anlagekosten lassen sich bei einigen Banken dadurch senken, dass man auf ein Verrechnungskonto zurückgreift.

Auf diesem wird dann die Sparrate gesammelt, bis ein Anlagebetrag erreicht ist, der die Kosten der Geldanlage rechtfertigt. Dadurch wiederum geht aber der Cost-Average-Effekt verloren.

Wenn ich nur 25 Euro pro Monat anspare, kann ich vielleicht ein oder zweimal pro Jahr Geld anlegen.

Damit gehen mir wichtige Schwankungen verloren, die ich andernfalls zumindest monatlich ausnutzen könnte.

Dabei ist der Cost-Average-Effekt ein weiterer wichtiger Renditebaustein, auf den kein langfristiger Anleger ohne Weiteres verzichten sollte!

5. Verfügbarkeit ist nicht immer gut

Und als letzter Punkt: Das Thema Verfügbarkeit.

Verfügbarkeit ist nicht pauschal und immer gut.

Gerade wenn es um die langfristige Altersvorsorge geht, die ja auch immer etwas mit Selbstdisziplinierung zu tun hat.

Man sollte nicht vergessen, dass gerade unter jüngeren Sparern die Hürde zum Auflösen von Ersparnissen nicht unwichtig für die Altersvorsorge ist.

Die Hürde zum Auflösen einer LV, RV oder eines Bausparvertrages ist doch deutlich höher, als der Verkauf von ETF-Anteilen aus dem Depot.

Das klingt vielleicht banal, ist aber eine Erfahrung, die ich in 15 Jahren Praxis gemacht habe.

Wenn Sie also planen für Kinder oder Enkelkinder Geld anzulegen, denken Sie noch einmal darüber nach, ob eine zusätzliche Hürde zum Auflösen des Geldes vielleicht im Sinne der Zukunft Ihres Filius liegen könnte! 🙂

Fazit

Ich möchte bitte nicht falsch verstanden werden: ETF sind nicht schlecht. Sie sind sogar ziemlich gut! Genau genommen waren sie das auch schon immer!

Aber sie sind eben auch nur ein Instrument in der Welt der Finanzen und der Geldanlage im Besonderen. Aber sie sind – genauso wie Dividendenaktien auch – nicht der Weisheit letzter Schluss und auch nicht die ultimative Lösung für Vorsorge und Vermögensanlage.

Wer sich für ETF entscheidet, verzichtet auf staatliche Förderung, steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge, (oftmals) Beratung durch einen Banker und ein aktives Management der im Fonds enthaltenen Werte.

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Diese Umstände sollte man sich unbedingt vor Augen halten! Besonders sehr junge bzw. Geringverdiener sollten hier genau überlegen, ob sie von vornherein ganz auf sich allein gestellt ihre Altersvorsorge angehen wollen.

Haben Sie daher vielleicht schon einmal daran gedacht, die Kostenvorteile von ETF mit den steuerlichen Vorteilen und Förderungen eines Versicherungsmantels zu kombinieren? Ja, das geht. 🙂

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