Die Probleme der Banken

In den letzten Jahren gibt es weltweit kaum eine Branche, die so unter Druck zu sein scheint wie die der Banken. Und auch wenn wir den Blick auf den deutschen Bankensektor beschränken, sollte uns auf einen Blick klar werden, dass etwas nicht stimmen kann: Wir haben nur zwei private Großbanken, die in unserem Aktienleitindex vertreten sind; die Deutsche Bank und die Commerzbank. Und beide stehen – ihrer Marktkapitalisierung nach – schlechter da als jemals zuvor.

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Im Prinzip bewahrheitet sich damit die Aussage von Ulrich Cartellieri aus dem Jahre 1988, dass die Banken ebenso gravierenden Umbrüchen wie vormals die Stahlindustrie ausgesetzt sein würde. Aber woran liegt es, dass eine der zuverlässigsten und renditestärksten Branchen weltweit überhaupt so unter Druck geraten ist?

Digitalisierung

Zuerst einmal ist da das Thema Digitalisierung: Und auch wenn die Digitalisierung Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen trifft, sind Banken doch deutlich stärker betroffen.

Im Gegensatz zu Industrieunternehmen geht es bei den Banken eben nicht nur um die Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen sowie die Vernetzung einzelner Prozessschritte und Prozessketten. Stattdessen stellt die fortschreitende Digitalisierung das gesamte Geschäftsmodell der Banken auf den Kopf, da alle traditionellen Geschäftsbereiche von Banken von der Digitalisierung betroffen sind.

1. Der Zahlungsverkehr

Bisher hatten die Banken mit Girokonten und integrierten Instrumenten des Zahlungsverkehrs (Überweisungen, Schecks, Lastschriften) noch eine Art technische Monopolstellung. Mittlerweile ist diese durch das Aufkommen von Online Bezahlsystemen wie Paypal oder sogenannten Kryptowährungen wie Bitcoin aber praktisch nicht mehr existent. So ergab eine aktuelle Umfrage, dass bereits fast 50% der Befragten Online-Bezahlsysteme nutzen – Tendenz steigend!

2. Das Kreditgeschäft

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kreditgeschäft. Schon kraft Gesetzes gab es in Deutschland in der Vergangenheit eigentlich nur die Möglichkeit, sich Geld privat zu leihen oder zu einer Bank zu gehen.
Durch das Aufkommen von P2P-Krediten und Kreditmarktplätzen im Internet wurde auch hier der exklusive Zugriff der Banken beschnitten.

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3. Das Anlagegeschäft

Das Anlagegeschäft der Banken ist durch die Digitalisierung schon zeitlich am längsten unter Druck geraten. Bereits um die Jahrtausendwende stiegen durch die zunehmende Verbreitung des Internets mit hoher Geschwindigkeit und mobiler Nutzung die Transparenz von Anlageprodukten hinsichtlich insbesondere Strategie, Preis und Mehrwert. Und diese Transparenz war schon Gift für das Bankgeschäft, da Banken sich in der Vergangenheit ihren Informationsvorsprung im Vergleich zum Normalverbraucher von diesem haben teuer bezahlen lassen. Stattdessen war es nun aber für jeden Internetnutzer möglich, sich über jedes Anlageprodukt im Internet zu informieren. Und dank ETFs sind die Preise für hochwertige Anlageprodukte dann endgültig in den Keller gefallen.

Es zeigt sich also, dass die Digitalisierung das gesamte traditionelle Geschäftsmodell der Banken auf den Kopf stellt und die Margen erodieren lässt.

Niedrigzinsniveau

Als weiterer Grund für die Probleme des Bankensektors wird immer wieder das aktuelle Niveau niedriger Zinsen angeführt. Hier sollte man meiner Meinung nach aber ein bisschen genauer hinschauen und differenzieren!

Der Zinsgewinn deutscher Banken hat traditionell 70-80% der Erträge ausgemacht. Damit muss man natürlich zugestehen, dass die niedrigen Zinsen und der damit schwindende Ertrag in seiner Größenordnung ein gravierendes Problem für die Banken darstellen.

Man muss aber einschränkend auch hinzufügen, dass es solche Phasen immer mal wieder gegeben hat und sie aller Voraussicht nach wieder nur temporär sein werden. Ja, natürlich ist das Ausmaß dieser Phase und seine zeitliche Dauer dieses Mal extrem.

Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es sich bei den Zinsphasen um zyklische Phasen handelt und nicht um strukturelle und unumkehrbare Verädnerungen wie beim Thema Digitalisierung.

Fazit und Ausblick

Die Digitalisierung ist für Banken eben nicht nur Segen oder Chance, sondern in erster Linie ein radikaler Retest eines jahrzehntelang etablierten Geschäftsmodells.
Wesentliche Funktionen der Banken sind nicht mehr von Bedeutung oder stehen zumindest auf der Kippe: Informationsfunktion ebenso wie Transformationsfunktionen (Risikotranformation, Fristentransformation). Dennoch glaube ich, dass Industriekonzerne einer bestimmten Größe nicht ohne Weiteres auf Schwarmfinanzierungen o.ä. setzen können. Hier werden Großbanken weiterhin unentbehrlich bleiben, da ihre schiere Größe immer noch ein beachtlicher Vorteil bei der Finanzierung solcher Konzerne ist.
Die Niedrigzinsphase erschwert die Transformation der modernen Banken zwar, dürfte aber retrospektiv nur eine Episode dargestellt haben werden.

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