Hebelzertifikate – Definition, Beispiel, Steuer

Hebelzertifikate sind mittlerweile seit mehr als 15 Jahren ein echter Dauerbrenner unter den spekulativen Geldanlagen. Hier zeigen wir Ihnen, wie man sie definiert, zeigen Ihnen ein Beispiel zur Berechnung des Hebels und wie die Zertifikate steuerlich berücksichtigt werden.

Hebelzertifikate Definition und Erklärung Funktionsweise

Hebelzertifikate sind alle Zertifikate, die mit einem Hebel ausgestattet sind und dadurch überproportional an der Wertentwicklung des Basiswertes partizipieren.

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einfache Konzeption und Funktionsweise

Die anhaltende Begeisterung  für Zertifikate hat wohl auch mit deren einfacher Konzeption und Funktionsweise zu tun:

Als Basiswert kommt dabei so ziemlich alles, was gehandelt werden kann, in Frage: Aktien, Rohstoffe, Zinsen, Indizes. Es sind sogar schon Hebelzertifikate auf die Fussballergebnisse einzelner Nationalmannschaften bei großen internationalen Turnieren emittiert worden. Wenn Sie unseren letzten Artikel zur Volatilität gelesen haben, wird sie vielleicht interessieren, dass es auch Hebelzertifikate VDAX und VIX gibt.

Anbieter / Emittenten / Broker

Die Emittenten von Hebelzertifikaten werden gemeinhin einfach als Anbieter oder (in Anlehnung an den angloamerikanischen Sprachraum) Hebelzertifikate Broker bezeichnet.

Fälligkeit oder open end

Die Zertifikate können entweder eine feste Laufzeit haben oder als Hebelzertifikate Endlos („open end“) ausgestaltet sein. Hebelzertifikate mit fester Laufzeit sind regelmäßig noch deutlich riskanter als Endloszertifikate.

hohes Verlustrisiko, keine Nachschusspflicht

Egal ob feste Laufzeit oder nicht: Hebelzertifikate sind keinesfalls etwas für Anfänger, denn der Hebel wirkt sowohl nach oben als auch nach unten. Der Totalverlust ist als maximaler Verlust möglich und im Vergleich zu einer Anlage in einer Aktie deutlich wahrscheinlicher! Eine Nachschusspflicht (wie etwa früher bei Differenzkontrakten) gibt es allerdings nicht.

Handelszeiten

Die Handelszeiten hängen vom Emittenten und der Art des Zertifikates ab. Sie bewegen sich aber häufig im Bereich zwischen 8 und 22 Uhr eines Börsenhandelstages.

Knock Out / Basispreis / Strike

Der Hebel des Zertifikates kommt durch den Knock Out zustande. Beziehungsweise ist das nicht ganz korrekt. Der Hebel des Zertifikates kommt dadurch zustande, dass der Käufer nicht den vollen Preis des Basiswertes bezahlt sondern einen Teil des Preises des Basiswertes vom Emittenten finanziert bekommt und lediglich den Rest selbst bezahlt. Der Kapitaleinsatz des Käufers ist im Vergleich zum direkten Erwerb des Basiswertes damit deutlich geringer. Bei gleichen Gewinnmöglichkeiten ergibt sich dementsprechend der Hebel.

Die Grenze zwischen Finanzierungslevel durch den Emittenten und Eigenanteil des Käufers wird dann als Knock Out oder Strike bezeichnet. Denn an dieser Stelle knockt der Emittent den Käufer des Zertifikates aus diesem heraus, wenn der Preis des Basiswertes soweit gefallen (oder bei Put / Short: gestiegen) ist, dass der eigene Anteil unterschritten und das Finanzierungslevel des Emittenten angegriffen würde.

Beispiel Hebel berechnen

Aufgrund der recht einfachen Struktur der Hebelzertifikate, gestaltet sich sogar das Hebel berechnen relativ einfach.

Ein Hebelzertifikat (long, open end) auf die A-Aktie hat einen Basispreis und Knock Out von 80 Euro und notiert aktuell bei 20 Euro (Bezugsverhältnis 1:1). 

Die A-Aktie kostet aktuell 100 Euro.

Der Hebel des Zertifikates beträgt damit 100 / 20 = 5

In diesem vereinfachten Beispiel lautet die Hebelzertifikate Formel, um den Hebel berechnen zu können also Preis des Basiswertes / Preis des Zertifikates = Hebel.

Englische Übersetzung

Die englische Übersetzung für Hebelzertifikate lautet „Leverage Certificate“, mit Leverage für das deutsche Wort „Hebel“.

Gebühren / Kosten

Gebühren, die beim Handel mit Hebelzertifikaten anfallen, lassen sich in zwei Kategorien einteilen: die einmaligen Gebühren und die regelmäßig wiederkehrenden Gebühren.

Die einmaligen Kosten fallen einerseits in Form der Transaktionsgebühren der Bank und andererseits als Spread zwischen Geld-Brief-Spanne an. Da mittlerweile viele Banken Direkthandel mit Zertifikate Brokern anbieten, können die Transaktionsgebühren deutlich niedriger sein.

In selteneren Fällen erhebt der Emittent des Zertifikates ein Aufgeld. So ein Hebelzertifikate Aufgeld wird dann regelmäßig anstelle des Spreads zwischen Geld-Brief-Spanne erhoben.

Als regelmäßige Kosten von Hebelzertifikaten sind insbesondere die Finanzierungskosten zu nennen. Da der Kunde ja vom Emittenten einen Teil des Basiswertes finanziert bekommt, muss der Kunde hierfür auch einen Kreditzins an den Emittenten zahlen. Die Höhe dieses Finanzierungszinssatzes bestimmt der Emittent anhand aktueller Marktgegebenheiten.
Der Kunde „spürt“ die Finanzierungskosten immer dann, wenn ein Roll Over erfolgt.

Steuer

Gewinne aus Hebelzertifikaten werden seit dem 01.01.2009 ebenfalls mit dem Abgeltungssteuersatz von 25% (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) besteuert.

Zertifikate, die vor dem 14.03.2007 erworben wurden, fallen unter eine Grandfather Clause und sind mit Ablauf der Haltefrist von einem Jahr steuerfrei veräußerbar.

Realisierte Verluste aus Zertifikaten dürfen vollständig und unbefristet mit allen anderen Gewinnen aus Kapitalvermögen verrechnet werden.

Sonderformen

Neben den regulären Hebelzertifikaten gibt es auch immer wieder Sonderformen:

Quanto

Hebelzertifikate Quanto schützen vor den Währungsrisiken, wenn der Basiswert in einer anderen Währung als der des Käufers abgerechnet wird. Wenn also beispielsweise ein Zertfikat auf Gold erworben wird, unterliegt der Anleger zusätzlich dem Währungsrisiko US-Dollar, da Gold in der Währung USD abgerechnet wird.

Stop Loss

Hebelzertifikate mit eingebautem Stop Loss verfügen über ein automatisches Stop Loss, dass oberhalb (Call / long) bzw. unterhalb (Put / short) des Finanzierungslevels liegt und dem Anleger somit im Falle des Ausstoppens eine Rückzahlung ermöglicht. Stop Loss Zertifikate sind daher etwas sicherer, da der Käufer nicht sein ganzes Kapital verliert.
In der Praxis fällt diese Rückzahlung aber naturgemäß regelmäßig sehr gering aus (in der Regel 5 bis 15% des ursprünglich eingesetzten Kapitals).

Faktor zertifikate

Faktor Zertifikate sind ebenfalls Hebelzertifikate, besitzen aber keinen Knock Out und sind deswegen als Sonderfall zu betrachten.

Hebelzertifikate auf Bitcoin

Hebelzertifikate auf Bitcoin gibt es leider noch nicht.

Wer gerne auf oder gegen die Wertentwicklung der größten Kryptowährungen spekulieren möchte, der kann dies zum Beispiel hier tun.*

Vorteile

  • einfacher Handel dank WKN
  • deutlich einfachere Funktionsweise (vs. Optionsscheine)
  • Handel über konventionelles Wertpapierdepot möglich (vs. CFD Differenzkontrakte)
  • geringer Kapitaleinsatz
  • große Gewinnchancen
  • Vielfalt an Anlagemöglichkeiten und umsetzbaren Strategien
  • transparente und nachvollziehbare Preisbildung (vs. Optionsscheine)
  • Direkthandel mit Hebelzertifikate Brokern ermöglicht niedrigere einmalige Kosten
  • keine Nachschusspflicht (vs. CFD – dort aber mittlerweile auch verboten für Deutschland)
  • Volatilität hat keinen Einfluss auf Preisbildung (vs. Optionsscheine)

Nachteile

  • eingeschränkte Handelszeiten
  • überdurchschnittliche Verlustrisiken
  • Knock Out lässt Hebelzertifikat sofort wertlos werden
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Hebelzertifikat, Optionsschein oder CFD Differenzkontrakte?

Letztlich ist es wohl Geschmacksfrage, welches Anlagevehikel man bevorzugt. Unser Meinung nach sind Optionsscheine mittlerweile mangels Transparenz in der Preisbildung nicht mehr zeitgemäß. Gerade die stürmischen Schwankungen in Zeiten anziehender Volatilität sind uns schon immer zu anstrengend gewesen.

Dennoch bevorzugen wir gegenüber Hebelzertifikaten mittlerweile CFD Differenzkontrakte. Diese lassen sich oftmals rund um die Uhr traden – vom Smartphone genauso wie vom heimischen Computer. Außerdem ist der Beantragungsprozess deutlich einfacher und unkomplizierter als bei deutschen Banken ein Depot zu eröffnen.

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