Optionsscheine – Kann man die heute noch suchen, finden und kaufen?

Optionsscheine – daraus braucht man keinen großen Hehl zu machen – sind in den Zeiten von Faktor Zertifikaten & Co. nicht mehr erste Wahl unter den Spekulanten und Zockern. Dennoch finden wir, dass es sich lohnt, einmal wieder einen Blick auf diese frühe Form der verbrieften Derivate zu werfen.

Definition

Denn nichts anderes sind Optionsscheine per Definition: verbriefte Optionen.

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Erklärung Funktionsweise (Call und Put)

Wobei Optionen im finanzwirtschaftlichen Sinne das Recht bezeichnen, den Basiswert zu einem späteren Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis zu kaufen („Call“) oder zu verkaufen („Put“).

Beispiel:

Wenn jemand also einen Call Optionsschein auf BMW mit einem Basispreis von 85,- Euro und Laufzeitende 30.06.2019 kauft, erwirbt damit das Recht die BMW-Aktie am 30.06.2019 zu 85,- Euro zu kaufen.

Mit dem Put Optionsschein wiederum würde das Recht zum Verkauf erworben.

Der Put Optionsschein bietet sich dementsprechend zum Spekulieren auf fallende Kurse an: Würde die BMW-Aktie im o.g. zweiten Beispiel zum 30.06.2019 unter 85 Euro fallen, wäre das ein Gewinn für den Investor.

englische Übersetzung

Die englische Übersetzung für Optionsschein lautet „warrant“. Dass das Ganze etwas nach „Garantie“ klingt, stiftet mehr Verwirrung, als das es für Aufklärung sorgt. Es steht dafür, dass die emittierende Bank einstehen muss für den Optionsschein; sie also seine Rückzahlung garantiert. Insoweit passt es dann also wieder mit dem „warrant“.

mit Hebel? – heute nichts besonderes mehr

Bevor es aber Hebelzertifikate und ähnliches gab, war der Hebel des Optionsscheins noch etwas ganz Besonderes. Gab es ihn für Privatkunden schließlich nur bei den Optionsscheinen.

Der Hebel ergibt sich aus dem geringeren Kapitaleinsatz bei der Geldanlage in Optionsscheinen im Vergleich zur Direktanlage. Das erhöht das relative Gewinnpotenzial.

Den Optionsschein Hebel berechnen Sie mittels folgender einfacher Formel:

Hebel=Kurs des BasiswertesBezugsverhältnis × Optionsscheinkurs

.

Beispiel Hebel berechnen

Wenn wir also bei dem vorhin begonnenen Beispiel bleiben, ergänzen wir noch, dass die BMW-Aktie aktuell bei 75 Euro steht, der Optionsschein mit einem Bezugsverhältnis von 1:1 und einem Kurs von 1,80 Euro. 

 

Hebel = 751 × 1,8 = 41,67

 

Es ergibt sich also ein Hebel von 41,67.

im Geld, am Geld aus dem Geld? – innerer Wert der Optionsscheine

Wenn im Zusammenhang mit Optionsscheinen von „im Geld“ oder „aus dem Geld“ gesprochen wird, bezieht sich dies auf den inneren Wert des Optionsscheins.

Der innere Wert eines Optionsscheins ergibt sich aus der Differenz zwischen Basispreis (auch „Strike“ oder „Ausübungspreis“) und aktuellen Kurs des Basiswertes. Ein Call ist demnach im Geld, wenn der Kurs des Basiswertes über dem Ausübungspreis des Optionsscheines liegt. Er ist hingegen aus dem Geld, wenn der Kurs unter dem Ausübungspreis liegt.

Beim Put ist es naturgemäß andersherum: Er ist im Geld, wenn der Kurs des Basiswerts über dem Ausübungspreis liegt, und aus dem Geld, wenn der Kurs unter dem Strike liegt.

„Am Geld“ ist ein Optionsschein, wenn der Optionsschein schon fast im Geld ist, der Kurs des Basiswertes also nahe am Ausübungspreis liegt, aber eben noch nicht im Geld ist.

Laufzeit und Zeitwert

Im Gegensatz zur Mehrzahl der heute populären Hebelzertifikate, werden Optionsscheine mit einer festen Laufzeit emittiert. Eben ganz so, wie die klassischen Optionen.

Daraus ergibt sich nun der Zeitwert des Optionsscheines. Der Zeitwert bemisst in Geld die noch verbliebene Wahrscheinlichkeit, mit dem Optionsschein in der verbliebenen Laufzeit ins Geld zu kommen und demnach eine Auszahlung zu erhalten.

Preisbildung

Der Preis des Optionsscheins ergibt sich dann aus dem inneren Wert plus dem Zeitwert des Optionsscheines.

Ein Optionsschein der aus dem Geld ist, hat keinen inneren Wert. Sein Preis entspricht also exakt dem Zeitwert.

Aus eigener Erfahrung können wir Ihnen berichten, dass es kein schönes Gefühl ist, den Zeitwert eines aus dem Geld liegenden Optionsscheines über Monate oder Jahre im Wertpapierdepot dahinfließen zu sehen.

Hier empfehlen wir ein Zweitdepot, das man sich nicht jeden Tag anschauen muss. Das kann ein enormer psychologischer Vorteil sein, wenn es darum geht, Optionsscheine halten zu müssen und ihren Zeitwertverlust nicht mitansehen zu müssen.

Kennzahlen

Es gibt zahlreiche Kennzahlen, mit denen sich Optionsscheine bewerten und vergleichen lassen.

Hier eine kleine Auswahl der Wichtigsten:

implizite Volatilität

Die implizite Volatilität gilt als die wichtigste Kennzahl für Optionsscheine. Sie gibt an, mit welchen Schwankungen der Anleger bis zum Laufzeitende zu rechnen hat.

Der VDAX gibt die implizite Volatilität für den Deutschen Aktienindex (DAX) an, also die erwartete Schwankungsbreite.

In unserem Artikel zur Volatilität gehen wir auch genauer auf die implizite Volatilität ein.

Besonders ärgerlich kann es für Inhaber von Optionsscheinen sein, wenn eine fallende Gesamtmarktvolatilität den individuellen Preis des eigenen Optionsscheines herunterzieht.

Theta

Theta gibt den Zeitwertverfall an. Der Zeitwert verfällt dabei nicht gleichmäßig sondern gegen Ende der Laufzeit stärker als zu Anfang.

Handel

Da es sich bei dem Optionsschein um eine verbriefte Option handelt, können Optionsscheine an Wertpapierbörsen gehandelt werden. Ein Rückgriff auf die Terminbörsen ist nicht notwendig.

Die Börse Stuttgart hat sich schon vor Jahren einen guten Ruf als die Derivatebörse Deutschlands.

Handelszeiten

Die Handelszeiten hängen vom Emittenten ab. Sie bewegen sich aber häufig im Bereich zwischen 8 und 22 Uhr eines Börsenhandelstages.

Risiko

Das Risiko von Optionsscheinen muss als sehr hoch angesehen werden.

Die feste und oftmals eher kurze Laufzeit in Verbindung mit unvorhersehbaren Schwankungen machen Optionsscheinen zu einem Instrument nur für sehr erfahrene Anleger.

Wer aber weiß, was er will und eine konkrete Strategie oder einzelne Spekulation umsetzen will, für den können Optionsscheine die richtige Wahl sein.

Wir empfehlen eine klare Selbstbeschränkung auf „Spielgeld“.

Steuer

Gewinne aus Optionsscheinen werden seit dem 01.01.2009 ebenfalls mit dem Abgeltungssteuersatz von 25% (zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) besteuert.

Optionsscheine, die vor dem 14.03.2007 erworben wurden, fallen unter eine Grandfather Clause und sind mit Ablauf der Haltefrist von einem Jahr steuerfrei veräußerbar.

Realisierte Verluste aus Optionsscheinen dürfen vollständig und unbefristet mit allen anderen Gewinnen aus Kapitalvermögen verrechnet werden.

Optionsscheine auf Bitcoin

Optionsscheine auf Bitcoin lassen sich bisher noch nicht ausmachen.

Allerdings gibt es die Möglichkeit mit Differenzkontrakten auf oder gegen die Entwicklung der einen oder anderen Kryptowährung (u.a. Bitcoin und Ripple) zu spekulieren.*

Vorteile

Nachteile

  • intransparente Preisbildung (vs Differenzkontrakte, Hebelzertifikate und Faktor Zertifikate
  • Preisabhängigkeit von Volatilität Gesamtmarkt
  • kein open end möglich (vs Differenzkontrakte, Hebelzertifikate und Faktor Zertifikate)
  • Beschränkung auf Handelszeiten (vs Differenzkontrakte)
  • hohes Totalverlustrisiko
  • Handelszeiten nicht 24/7 (vs Differenzkontrakte)
  • oftmals nur noch mäßige Liquidität

Fazit

Bei dieser Nachteile-Liste bleibt doch kaum ein Wunsch unerfüllt. Es hat also gute Gründe, dass Optionsscheine heute weit an Bedeutung gegenüber Zertifikaten und Differenzkontrakten verloren haben.

Dafür gelten Optionsscheine als umständlich, instransparent und unnötig kompliziert. Gewinne treten aufgrund der Schwerfälligkeit in der Preisbildung oftmals erst mit Verzögerung ein.

Wir möchten Ihnen daher weitgehend von Optionsscheine – auch zur Umsetzung hochspekulativer Strategien – abraten. Gerade durch die neueren Differenzkontrakte ist der fehlende Knock Out der Optionsscheine kein USP mehr. Unseres Erachtens existiert daher keine Strategie mehr, für die ausschließlich Optionsscheine als Umsetzungsinstrument in Frage kommen.

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Um damit die im Titel aufgeworfene Frage zu beantworten: Ja, man kann sie noch suchen, finden und kaufen. Aber unserer Meinung nach gibt es keinen nennenswerten Mehrwert mehr, den sie mit Optionsscheinen erzeugen können.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Optionsscheinen? Und verwenden Sie diese heute überhaupt noch? Schreiben Sie es uns unten in die Kommentare.

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