Was ist der Anlagehorizont? Definition

Im Zusammenhang mit der Geldanlage und auch der Altersvorsorge ist immer wieder von “Anlagehorizont” die Rede. Aber was genau ist eigentlich der Anlagehorizont? Wieso spielt er so eine wichtige Rolle für die Vermögensanlage? Und in welche Kategorien kann man ihn einteilen?

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Was ist der Anlagehorizont?

Der Anlagehorizont bezeichnet im Grunde nichts weiter als die bei Anlage des Geldes angepeilte Anlagedauer.
Und das Wort “angepeilt” zeigt hierbei schon, dass die Anlagedauer nicht einmal unbedingt von vornherein feststehen muss: Denn nicht alle Anlagen sind so wie Festgelder von Anfang an auf einen bestimmten Anlagezeitraum fixiert, sondern während der Dauer der Anlage prinzipiell jederzeit frei veräußerbar.

Wieso ist der Anlagehorizont wichtig?

Dennoch macht es bei den meisten Anlagen Sinn, sich vorher über die Zeit, die man als potenzieller Geldanleger zur Verfügung hat, Gedanken zu machen.

Und dies aus zwei Gründen:

1. Gebühren

Die wenigsten Geldanlagen sind kostenlos. Genau genommen kostet sogar jede Geldanlage den Anleger Geld. Auch wenn die Kosten nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Auf jeden Fall müssen diese Kosten natürlich erst einmal mit der Rendite der zugrunde liegenden Anlage wieder verdient werden. Jede Anlage startet sozusagen “im Minus”. – Das kostet Zeit.
Und im Anschluss hat das Investment gerade einmal die aufgewendeten Gebühren wieder eingespielt.
Erträge wurden noch gar keine erwirtschaftet!

Beispiel:
Wenn Sie eine Inhaberschuldverschreibung mit einer jährlichen Verzinsung von 2% p.a. mit einer Gebühr von 1% erwerben, benötigen Sie genau 6 Monate, um die bezahlte Gebühr mit den Zinsen des Rentenpapiers zu verdienen.

2. Erträge

Da man aber als Anleger sein Geld nicht bloß anlegt, um Gebühren für eine Geldanlage zu bezahlen und wieder zu verdienen, möchte man natürlich auch noch eine angemessene Rendite für seine Geldanlage. Diese zu erwirtschaften kostet eine Anlage noch einmal etwas mehr Zeit.
Grundsätzlich kann man hier sagen: Je länger man das Geld in einer bestimmten Geldanlage reifen lässt, desto mehr Rendite wird man am Ende aus der Anlage auch bekommen.

Bleiben wir bei dem oben genannten Beispiel:
Wenn Sie sich ein jährliches Renditeziel von 1,5% p.a. gesetzt haben, müssen Sie die Anleihe insgesamt zwei Jahre halten, um dieses Renditeziel zu erreichen. Denn nach Ablauf des ersten Jahres haben Sie 1% Verzinsung und nach zwei Jahren insgesamt 3% Verzinsung. Diese 3% geteilt durch zwei Jahre ergibt die gewünschten 1,5% p.a. an Verzinsung.

3. Schwankungen

Abgesehen von Tagesgeldern und Festgeldern unterliegt eigentlich praktisch jede Geldanlage Schwankungen. Je nach Art der Geldanlage sind die Schwankungen mehr oder weniger stark ausgeprägt und mehr oder weniger lang anhaltend.
So gilt hier die statistische Regel, dass jede Anlage über einen bestimmten Anlagezeitraum vom Investor gehalten werden muss, um diese Schwankungen auszugleichen.

 Wie kann man den Anlagehorizont unterteilen?

Wenn es um die Einteilung von Geldanlagen nach dem Anlagehorizont geht, werden Sie so viele Konzepte wie Meinungsführer finden.

Lassen Sie sich eines gesagt sein, es gibt kein Patentkonzept!

Im Grunde lässt sich sagen, dass man Geldanlagen nach kurz-, mittel- und langfristigen Kapitalanlagen einteilen kann:

1. kurzfristige Geldanlagen

Kurzfristige Geldanlagen beginnen bei den täglich verfügbaren Sichteinlagen und Spareinlagen, also Sparbüchern und Tagesgeldern, und enden bei kurzfristigen Anleihen.
Sie umfassen also in der Regel einen Anlagehorizont von täglich verfügbar bis zu maximal drei Jahren Laufzeit.
Bei der letztgenannten Zahl gibt es durchaus abweichende Sichtweisen!

2. mittelfristige Geldanlagen

Mittelfristige Geldanlagen lassen sich vorwiegend im Anleihenbereich auftun: Schuldverschreibungen, also Renten von Unternehmen oder Staaten bewegen sich in der Regel in Laufzeitbändern zwischen 3 und 7 Jahren und erfüllen damit idealerweise genau den genannten Anlagezeitraum. Aber auch klassische Sparbriefe von Banken und Sparkassen haben oftmals Laufzeiten von knapp unter 7 Jahren und fallen damit genau in diesen Anlagehorizont.

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3. langfristige Geldanlagen

Langfristige Geldanlagen sind üblicherweise länger laufende Schuldverschreibungen und Aktien.
Aber auch “exotischere” Vermögensanlagen wie Immobilien, Youngtimer, Oldtimer, Kunstgegenstände, Schmuck oder Uhren.
Gerade diese Anlageklassen unterliegen zum Teil enormen Schwankungen und – was den exotischen Teil anbelangt – teilweise nicht einmal einem geregelten Markt mit ordentlicher Preisfindung.
Auch die Anschaffungskosten liegen in der Regel deutlich über denen für die unter 1. und 2. genannten Geldanlagen.

Um diese Schwankungen und höheren Anschaffungskosten auszugleichen, ist ein Anlagehorizont von mehr als 7 Jahren dringend notwendig.

Im Falle der exotischen Anlagen kann ein sinnvoller Anlagehorizont durchaus auch einmal 20, 30 Jahre oder mehr betragen.

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