Businessplan – Risiken und Risikoanalyse

Risiken und die Risikoanalyse bilden den nächsten Abschnitt des Businessplanes. In diesem Artikel zweigen wir Ihnen, wie Ihnen auch dieser Teilbereich des Businessplanes leicht von der Hand geht und Sie den Lesern Ihres Businessplanes die Chancen und Bedrohungen Ihres Unternehmens objektiv aufzeigen können.

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Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass der Abschnitt „Risiken und Risikoanalyse“ sich mit den Risiken auseinandersetzt, die Ihr zu gründendes Unternehmen in der Zukunft bedrohen könnten.

kein Unternehmen ohne Risiko

Grundsätzlich wissen Sie als Unternehmer, dass es kein Unternehmen ohne Risiken geben kann.

Ganz im Gegenteil: Die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen, ist die Voraussetzung für jedes unternehmerische Vorhaben. Das heißt, grundsätzlich werden Risiken vom Unternehmer und Gründer bewusst eingegangen.

Das heißt aber auch, dass Risiken jedes Unternehmen permanent (wenigstens latent) bedrohen. Die Risiken betreffen dabei nicht nur den Unternehmer selbst sondern auch Fremdkapitalgeber und Investoren.

besondere Akribie gefordert!

Dementsprechend hoch darf der Stellenwert jeglicher Analyse und Bewertung der unternehmensinternen und unternehmensexternen Bedrohungen eines unternehmerischen Vorhabens eingeschätzt werden. Risiken vergeben keine zweite Chance!

Sie sollten in diesem Abschnitt besonders gewissenhaft und kritisch vorgehen: Die Adressaten des Businessplanes (Banken, Investoren etc.) werden Sie sowieso auf die Risiken stoßen. Da ist es sinnvoll, Risiken lieber proaktiv zu benennen. Das schafft ein kommunikativ offenes Verhältnis und Vertrauen.

Optimismus ist gut, aber…

Unserer Erfahrung nach sind Gründer in der Einschätzung der Chancen und Risiken eher zu optimistisch als zu pessimistisch. Was ja prinzipiell auch verständlich ist: Sie wollen ja Träume und keine Alpträume verkaufen. 😉

Doch Investoren und Kreditgeber wollen ihr Geld in sicheren Händen wissen und vertrauen dieses daher eher einem objektiven und kritischen Gründer an als einem, der manisch die Chancen der anstehenden Gründung heraus posaunt, die Bedrohungen aber demgegenüber weitgehend ausblendet und ignoriert. Widmen Sie daher der Identifikation, Quantifizierung und Mitigation der potenziellen Bedrohungen Ihres Vorhabens besonders großes Augenmerk. Geldgeber werden Ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Chance-Risiko-Profil Ihres Geschäftsmodells zu schätzen wissen.

Erkennen und Bewältigen

Und auch positiv betrachtet, führt eigentlich kein Weg an einer fundierten Risikoanalyse im Businessplan vorbei: Denn das Erkennen von Risiken ist der erste Schritt zu ihrer Bewältigung.

Der anschließende Schritt ist dann noch die Darstellung möglicher Wege zur Mitigation der Risiken bzw. der möglichen Folgen.

Chancen und Risiken

Natürlich sollen Sie nicht nur Risiken darstellen und quantifizieren. In diesem Abschnitt sollen Sie durchaus auch das Upside-Potenzial Ihres Geschäftsmodells in Form von Chancen darstellen. Aber seien Sie sich darüber bewusst, dass die Chancen im Vergleich zu den Risiken einen bedeutend geringeren Teil des Abschnitts „Risiken und Risikoanalyse“ ausmachen.

Dies ist auch ganz natürlich, denn die Chancen sind nun einmal Ihrem unternehmerischen Vorhaben als solchem inhärent und die vorderen Abschnitte des Businessplanes voll damit. Diese Chancen im Abschnitt „Risiken und Risikoanalyse“ noch einmal in epischer Breite auszuführen, wäre weder effizient noch zielführend.

Diese Vorgehensweise entspricht ja auch ganz und gar der sicherheitsorientierten Denkweise der allermeisten Geldgeber: Die Chancen machen Appetit auf mehr; aber die Risiken bilden den Gegenstand einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Geschäftsmodell.

Beschränken Sie sich daher auf die nochmalige Nennung der wesentlichen (3!) Chancen Ihres Vorhabens. Ausgehend von diesen lassen sich die Risiken des Geschäftsmodells dann entwickeln, analysieren und ggf. mitigieren.

Identifikation von Risiken

Zur Identifikation der Risiken bieten sich die bekannten Methoden, wie etwa die SWOT-Analyse an. Die SWOT-Analyse haben wir Ihnen bereits in diesem Artikel näher gebracht.

Aber auch andere Modelle, wie die STEP-Analyse oder Porter’s Five Forces sind gut geeignet.

Die Risiken lassen sich grundsätzlich in interne und externe Risiken unterscheiden.

interne

Interne Risiken sind solche, die im Unternehmen selbst begründet werden. Sie lassen sich den Teilbereichen Management, Einkauf, Produktion und Verkauf / Marketing zuordnen.

  • Management:
    • Schlüsselpersonen verlassen das Unternehmen („People’s Business“)
    • Fehlentscheidungen des Managements
  • Einkauf:
    • Misswirtschaft
    • Moral Hazard
  • Produktion:
    • Ausfälle von Menschen oder Maschinen
    • Fehlproduktionen
    • Produktmängel
  • Verkauf / Marketing:
    • unzureichendes Vertriebsnetz
    • ineffiziente Marketingkampagne

externe

Externe Risiken sind demgegenüber solche, die auf exogenen Faktoren beruhen. Für die Analyse der externen Bedrohungen eignet sich insbesondere die PESTEL-Analyse, die wir Ihnen hier bereits vorgestellt haben.

Risikoanalyse

Die eigentliche Risikoanalyse erfolgt im Stile einer klassischen Risikobewertung (Risk Assessment) und sollte vorzugsweise in den Abschlussteil („Ausblick“) des Abschnitts eingebunden werden.

Um ein Risiko vergleichbar zu anderen zu machen, wird es bewertet.

Das erfolgt nach der Formel

Risiko = Schadenspotenzial x (Eintrittswahrscheinlichkeit – Mitigation)

Schadenspotenzial (Fallhöhe)

Das Schadenspotenzial muss ermittelt werden, in dem ein mögliches Risikoszenario ausgewählt und das zugehörige finanzielle Schadenspotenzial beziffert wird.

Bsp.: Wenn Maschine A für drei Wochen ausfällt, läge der finanzielle Schaden bei EUR 3,0 Mio.

Eintrittswahrscheinlichkeit

Die Eintrittswahrscheinlichkeit muss wiederum auf das gleiche Risikoszenario bezogen werden. Von ihr kann ggf. die Wahrscheinlichkeit des rechtzeitigen Entdeckens des Risikos und Verhindern des Risikoeintritts abgezogen werden.

Bsp.: Unter Berücksichtigung der bisherigen Wartungen und Reparaturen und Vergangenheitswerten, ergibt sich eine Eintrittswahrscheinlichkeit für dieses Szenario von 5%. Der ältere Mitarbeiter an der Maschine würde einen Ausfall rechtzeitig bemerken und verhindern. Er arbeitet aber nur eine der zwei Schichten pro Werktag. Die Eintrittswahrscheinlichkeit reduziert sich als um 50% auf 2,5%.

Mitigation

Mitigative Maßnahmen sind solche Maßnahmen, die den Eintritt eines Risikos vermeiden oder die Eintrittswahrscheinlichkeit verringern oder die Folgen abmildern.

Bsp.: Der ältere Mitarbeiter schreibt dem jüngeren eine Checkliste, worauf er beim Verlassen der Maschine schauen soll, um das Risiko des Maschinenausfalls rechtzeitig zu bemerken.

Hiernach ergibt sich folgendes

Risiko = EUR 3,0 Mio. x (5,0% – 2,5% – 2,5%) = 0

Durch die nachhaltige Mitigation würde das Risiko auf 0 sinken.

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Fazit

An diesem letzten Beispiel konnten Sie gut sehen, wie wichtig es ist, den Leser des Businessplanes mitzunehmen! Hätten Sie nur einfach geschrieben, dass das Risiko bei 0 liegt, hätten Sie mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.

Stattdessen haben Sie dem Leser bewiesen, dass Sie sich mit den Bedrohungen auseinandergesetzt, diese berücksichtigt und schützende Maßnahmen eingeleitet haben. – Probleme schaffen, nicht wegschaffen!

Wenn Sie sich so erfolgreich mit den Chancen und Risiken Ihres Geschäftsmodells auseinandergesetzt haben, werde Sie wahrscheinlich polarisieren: So wird Ihr Projekt sicherlich nicht jedem potenziellen Geldgeber zusagen; auch nicht mit dem besten Businessplan.

Das ist auch völlig in Ordnung so. Zeigen Sie Ihr Vorhaben so, wie es ist und Sie es wünschen und verstehen Sie Kritik immer als Zeichen von Interesse. Hätte der Geldgeber kein Interesse an Ihrem Vorhaben, würde er die Chancen und Risiken nicht genauer hinterfragen.

Wenn Sie aber reihenweise Absagen von Banken und Investoren erhalten, sollten Sie Ihre Darstellungsweise definitiv noch einmal überdenken und ggf. überarbeiten. Dies gilt natürlich auch für die Verhandlungen mit Fördermittelgebern, wie etwa der Agentur für Arbeit.

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