Corporate Banking oder Investment Banking? Was ist besser?

Corporate Banking oder Investment Banking? Das ist die Frage, die sich viele Absolventen am Ende Ihres Studiums stellen, wenn sie grundsätzlich in das Bankwesen wechseln wollen. In diesem Beitrag beleuchten wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Corporate Banking und des Investment Banking.

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Grundsätzlich ist das Corporate Banking der Geschäftsbereich der Banken, der sich mit der vollumfänglichen Betreuung von Firmenkunden befasst. Das Investment Banking ist demgegenüber ein Spezialbereich der Banken, der sich insbesondere durch die Größe der Transaktionen auszeichnet. So ist es ein wenige verwirrend: Das Corporate Banking muss nach der Art der Kunden abgegrenzt werden. Das gilt für das Investment Banking nicht; denn hier werden grundsätzlich alle Arten von Kunden betreut (Firmenkunden, sehr vermögende Privatpersonen oder auch öffentlichen Investoren, wie etwa Regierungsbehörden). Die Größe und Art der Transaktionen bilden hier eher den Abgrenzungsrahmen.

Ob das Corporate Banking oder das Investment Banking wirklich besser sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Einblick in unterschiedliche Elemente des Arbeitsalltags könnte aber für den einen oder anderen, der sich mit dem Gedanken eines Wechsels ins Banking trägt, den Ausschlag geben.

Kundensegment

Wer ins Corporate Banking wechselt, wird in den allermeisten Fällen ausschließlich Firmenkunden (Kapitalgesellschaften, juristische Personen) betreuen. Eine Vermögensanlage oder Finanzierung für Privatkunden (natürliche Personen) wird nur in den allerseltensten Fällen vorkommen und wenn dann mit einem Firmengeschäft verbunden sein und wahrscheinlich ans Private Banking oder Wealth Management des Hauses vermittelt werden.

Im Investment Banking kann man unter Umständen alle Kundensegmente betreuen. Das hängt davon ab, in welchem Investment Banking Bereich man eingesetzt ist. Während man im Bereich Corporate Finance naturgemäß ebenfalls ausschließlich Firmenkunden betreut, werden im Asset Management auch Transaktionen für öffentliche Investoren oder Privatkunden abgewickelt.

Eine Übersicht über die Investment Banking Bereiche finden Sie hier.

Zentrale oder Fläche

Für das Investment Banking pflegen die meisten Kreditinstitute in Deutschland einen zentralistischen Ansatz: Die meisten Investment Banker sitzen in Frankfurt und operieren von dort aus. Kundentermine werden in ganz Deutschland wahrgenommen, eine reisende Tätigkeit ist somit in diesem Bereich in der Regel selbstverständlich.

Beim Corporate Banking hingegen finden sich (zumindest bei den großen deutschen Geldhäusern) Berater oftmals auch in der Fläche Deutschlands verteilt. Denn Kundennähe ist für viele Institute auch im Corporate Banking oberste Maxime, um mit den Regionalinstituten konkurrieren zu können. Wer also heimatverbunden ist und den ein dauerhafter Wechsel in die Großstadt abschreckt, kann mit etwas Glück und Wartezeit dennoch im Corporate Banking unterkommen. Und wenn ein Wechsel in die Großstadt unvermeidlich ist, so muss es im Corporate Banking nicht immer Frankfurt sein.

Allerdings sind Spezialabteilungen des Corporate Banking dann doch wieder zentral organisiert. Wer also einen Karriereaufstieg machen möchte, wird um Frankfurt kaum herumkommen.

Inland oder Ausland

Und wenn wir schon beim Einsatzort sind: Ein Auslandseinsatz ist im Corporate Banking und Investment Banking gleichermaßen grundsätzlich möglich. Hier hängt es natürlich in beiden Segmenten davon ab, in welchem Bereich man jeweils eingesetzt ist. Große Geldhäuser verfügen über ein internationales Geschäft mit Firmenkunden. Wer dort einen Platz bekommt, kann im Ausland eingesetzt werden.

Ähnliches gilt für das Investment Banking: Naturgemäß findet ein Teil des Geschäfts mit internationalen Partnern statt. Für den einzelnen Mitarbeiter wird es hier ebenfalls darauf ankommen, mit welchen Arbeiten und Kunden er betraut wird bzw. welchen Einheiten innerhalb des IB er zugeordnet wird.

Arbeitszeiten

Während die Arbeitszeiten im Investment Banking legendär sind: 100h pro Woche kommen in heißen Phasen schon einmal vor. Geht es im Unterschied dazu im Corporate Banking noch ruhiger zu. Gerade in Deutschland machen Tarifverträge und starke interne Betriebsvereinbarungen das Firmenkundengeschäft noch zu einem behüteteren Raum. Dennoch sind auch hier Arbeitsspitzen möglich, die mit 40h pro Woche kaum mehr bewältigt werden können.

Gehalt und Boni

Demgegenüber steht aber im Investment Banking auch ein deutlich höheres Gehalt. Während die Einstiegsgehälter sich noch kaum unterscheiden, geht die Schere nach oben hin deutlich auseinander. Während ein Corporate Banker selbst auf höchsten Karrierestufen nur selten mehr als 250k pro Jahr verdient (inklusive Bonus), sind beim Investment Banker nach oben kaum Grenzen gesetzt.

Weitere Informationen zum Gehalt finden Sie beispielsweise hier.

Aufgaben im Arbeitsalltag

Arbeitsteiligkeit

Egal oder Corporate oder Investment Banking: Beide Geschäftsbereiche sind heutzutage bereits hochkomplex und selten von einer einzelnen Person zu bewältigen. Dementsprechend wurde der Arbeitsalltag vieler Bankberater aller Geschäftsbereiche immer arbeitsteiliger, jeder erledigt nur noch einen kleinen Teil des Geschäfts.

Dennoch finden sich im Geschäft mit Firmenkunden noch eher Wirkungsspielräume für den einzelnen Berater. Gerade bei kleineren oder standardisierten Geschäften sitzt er nicht nur im Driver Seat sondern wickelt das Geschäft von der Anbahnung bis zur Bestellung der Sicherheiten selbstständig ab. Bei größeren Transaktionen ist das schon wieder nicht mehr möglich und eine Koordination mit vielen verschiedenen internen und externen Akteuren ist unumgänglich.

Die schiere Größe der Transaktionen macht im Investment Banking eine eigenständige Betreuung durch einen einzelnen Berater praktisch vollkommen unmöglich.

Standardisierung

Auch die Standardisierung der Produkte und Leistungen ist vor dem Hintergrund des gestiegenen Kostendrucks bei vielen Geldhäusern ein immer wichtigeres Thema geworden.

Insbesondere das Corporate Banking ist hiervon betroffen: Das ewige Spannungsverhältnis zwischen kostensparender Standardisierung und individueller Kundenbetreuung kommt nun auch in diesem Bereich mehr und mehr durch. Das lässt dem einzelnen Berater wenig Entfaltungsspielräume und kann sich im Arbeitsalltag in Einzelfällen auch sehr demotivierend auswirken.

Besonders große Transaktionen in sehr niedriger Stückzahl machen solche Skalierungsbestrebungen im Investment Banking weniger attraktiv. Daher ist dieser Bereich noch weniger davon betroffen. Die individuelle Analyse-, Bewertungs- und Umsetzungsleistung der einzelnen Akteure ist für das Ergebnis noch wesentlich entscheidender.

Corporate Banking oder Investment Banking? Das Fazit!

Was nun wirklich besser ist, lässt sich auf keinen Fall pauschal beurteilen. Auch nach Untersuchung der einzelnen Teilaspekte bleibt klar: Es ist ganz einfach eine Geschmacksfrage.

Wer gerne international die große Karriere machen und dafür ein hohes Gehalt samt Bonus kassieren möchte, wird im Investment Banking am ehesten fündig werden. Er sollte dafür allerdings auch lange Arbeitszeiten und ein sehr hohes Stressniveau akzeptieren.

Wer hingegen in seiner Region oder dem Mittelstand (Rückgrat der deutschen Wirtschaft) etwas bewegen und anstrengende lange Reisetätigkeit vermeiden möchte, dem sei eher zum Corporate Banking geraten.

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