Betriebsmittelkredit – Definition, Zinsen, Tilgung

Ein Betriebsmittelkredit ist kurz- bis mittelfristiges Fremdkapital, das der Finanzierung des Umlaufvermögens von Unternehmen / Selbständigen dient. Er wird von Banken in der Regel als Kontokorrentkredit / Rahmen auf dem laufenden Konto („Betriebsmittelkreditlinie“) oder als kurzfristiges Darlehen („Betriebsmitteldarlehen“ oder „revolvierender Betriebsmittelkredit“) zur Verfügung gestellt.

Verwendung

Der Betriebsmittelkredit ist somit ein Teil der Fremdfinanzierung eines Unternehmens. In Abgrenzung zum Investitionskredit liegt die Verwendung der Betriebsmittelkredite aber gerade nicht in der Finanzierung des Anlagevermögens sondern ausschließlich in der Finanzierung des Umlaufvermögens.

Begriff

Manchmal wird der Betriebsmittelkredit auch als Betriebskredit oder Geschäftskredit bezeichnet. Im Englischen spricht man – nicht ganz wortlautgetreu – von einer Working Capital Facility.

Dies ist aber insoweit sogar besser zutreffend als die deutsche Bezeichnung, da der Betriebsmittelkredit gerade der Finanzierung von Lücken im Nettoumlaufvermögen („Working Capital“) dient.

Zinsen

Die Verzinsung eines Betriebsmittelkredits ergibt sich in der Regel aus dem Referenzzinssatz (EURIBOR 3M oder EONIA) zuzüglich der Marge des Kreditinstituts. Es ist aber anstelle des Referenzzinssatzes auch die Vereinbarung eines Festsatzes („b.a.w.-Satz“) möglich, der sich bei Vorliegen bestimmter Umstände anpassen kann.

Zusätzlich besteht bei einigen Banken die Möglichkeit, den Zinssatz des Betriebsmittelkredits mit einer Zinsobergrenze („Cap“) zu versehen. Hierdurch zahlt der Kreditnehmer während der Laufzeit nie mehr als den festgelegten Höchstsatz. Gleichzeitig profitiert er im Fall, dass die Zinsen fallen.

Aktuelle Konditionen für einen Betriebsmittelkredit können natürlich erst nach genauer Analyse des Kreditwunsches und des beantragenden Unternehmens genannt werden.

Denn neben dem allgemeinen Zinsniveau sind auch die Bonität des Unternehmens und der genaue Kreditwunsch Einflussfaktoren auf den individuellen Zinssatz für einen Betriebsmittelkredit.

Von den aktuell historisch niedrigen Zinsen profitieren vorwiegend Kredite mit Zinssicherung, da diese das günstige Zinsniveau für den Kunden konservieren. Es ist daher häufig lohnend, eine Umschuldung von (u.U. dauerhaft in Anspruch genommenen) Betriebsmittelkrediten in Kredite mit Zinssicherung („Refinanzierung der Bodensatzinanspruchnahme“) und Tilgungsstruktur in Betracht zu ziehen.

Tilgung

Der Betriebsmittelkredit wird entweder als Kontokorrentkredit / Rahmen bis auf Weiteres (b.a.w.) oder als kurzfristiges Darlehen zur Verfügung gestellt. Die Laufzeit des Betriebsmittelkredites ist also grundsätzlich unbefristet und langfristige Überlassungen nicht unüblich.

Dementsprechend wird auch keine regelmäßige Tilgung vereinbart. Stattdessen kann der Kunde den Betriebsmittelkredit jederzeit kündigen. Im Falle einer Kündigung ist der Betriebsmittelkredit natürlich vollständig zurückzahlen.

Ebenso kann die Bank, falls und wenn sie die Voraussetzungen für den Betriebsmittelkredit nicht mehr als gegeben erachtet, die vollständige Rückzahlung des Betriebsmittelkredits (unter Setzung einer Frist) verlangen. Der Betriebsmittelkredit ist dann sofort in einer Summe zurück zu zahlen. Wenn dies dem KN nicht möglich, ist die Vereinbarung einer Ratenzahlung denkbar.

Höhe

Die maximal mögliche Höhe des Betriebsmittelkredits hängt im konkreten Fall von der Bonität des Antragstellers und der möglichen Besicherung ab.

Eine erste Indikation darüber, welche Höhe eines Betriebsmittelkredits im konkreten Fall möglich ist, geben in der Regel die Finanzkennzahlen. Wenn Finanzkennzahlen wie der Nettoverschuldungsgrad, der Zinsdeckungsgrad und die Eigenmittelquote mit der Inanspruchnahme noch nahe dem Investment Grade liegen, sollte die Höhe des Betriebsmittelkredits für Bank und Kunde vertretbar sein.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich die maximale Höhe des Betriebsmittelkredits nicht am Umsatz sondern am betrieblichen Nettoumlaufvermögen („Working Capital“) des Kunden orientiert. Denn der Betriebsmittelkredit ist ja gerade zur Deckung von Finanzierungslücken im betrieblichen Nettoumlaufvermögen gedacht.

Neben der klassischen bilateralen Kreditausreichung durch eine einzelne Bank, sind auch strukturierte Finanzierung – wie etwa konsortiale Finanzierungen denkbar.

Kosten

Neben den Zinsen beinhalten die Kosten für einen Betriebsmittelkredit regelmäßig eine Bereitstellungsprovision (25 – 35% der anwendbaren Marge) und seltener eine Bearbeitungsgebühr.

Die Bearbeitungsgebühr wird aber nicht von jeder Bank und für jeden Betriebsmittelkredit erhoben. Sie kann von Kredit zu Kredit unterschiedlich hoch ausfallen.

Hier gilt es, das konkrete Angebot für einen Betriebsmittelkredit genauestens zu prüfen!

Sicherheiten

Für die Besicherung eines Betriebsmittelkredits kommen theoretisch alle erdenklichen Sicherheiten in Frage. In der Praxis findet regelmäßig eine Besicherung durch Sicherheiten des Nettoumlaufvermögens statt: Sicherungsübereignung des Warenlagers und Zession der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Zusätzlich sind natürlich weitere Sicherheiten denkbar und möglich.

Auch eine Bürgschaft kann die Sicherheit der Bank erhöhen und – bei entsprechender Bonität des Bürgen – klassische Sicherheiten ergänzen oder sogar ersetzen.

Ein Betriebsmittelkredit ohne Sicherheiten ist möglich, aber selbstverständlich von einer hohen Bonität des Kreditnehmers abhängig. Wenn diese allerdings gegeben ist, liegt ein Betriebsmittelkredit ohne Sicherheiten im Rahmen der Möglichkeiten.

Unterlagen

Die wichtigste Voraussetzung für einen Betriebsmittelkredit ist die Bonität des Antragstellers (natürliche oder juristische Person).

Und so gilt auch für Betriebsmittelkredite der Grundsatz, dass jede Aussage über die Bonität der Kreditnehmer und etwaige Garanten durch Unterlagen belegt werden muss.

Der Antragsteller sollte im Zweifelsfall lieber eine Unterlage mehr als nötig dabei haben, um seine Bonität und Vermögenslage umso lückenloser und schlüssiger nachweisen zu können.

In der Regel notwendige Unterlagen für die Beantragung eines Betriebsmittelkredits sind:

  • Legitimationsdokumente (Personalausweis / Reisepass, Registerauszüge)
  • letzte drei Jahresabschlüsse
  • letzter Steuerbescheid
  • Unternehmensplanung / Business Plan

Darüber hinaus können weitere Unterlagen notwendig werden, die vom Verwendungszweck des Kredits und dem Geschäftsmodell des beantragenden Unternehmens im konkreten Fall abhängig sind.

Die Beantragung des Kredits und Einreichung der Unterlagen sind heutzutage in vielen Fällen bereits online möglich.

Vorteile und Nachteile

 Vorteile:

  • Vermeidung von Liquiditätsengpässen im laufenden Geschäft
  • größere Flexibilität durch laufende Inanspruchnahme- und Rückzahlungsmöglichkeit
  • Möglichkeit der Festschreibung einer Zinsobergrenze („Cap“)
  • oftmals günstigere Finanzierungssituation gegenüber Lieferantenkredit durch Nutzung von Skonto-Zahlungen
  • Profitieren von sinkendem Zinsniveau
  • Ansätze für Förderung (KfW, ISB und LfA); gerade auch für Existenzgründer

Nachteile:

  • häufig teurerer Zinssatz als bei Krediten mit Festzins
  • Bereitstellungszins
  • negative Auswirkungen bei steigendem Zinsniveau, aber Festschreibung Zinsobergrenze („Cap“) möglich

Antrag

Wenn der Kunde einen Betriebsmittelkredit über seine Bank beantragen möchte, muss er sich direkt an die Bank wenden.

Den eigentlichen Antrag wird der Bankberater dann für den Kunden erstellen und – soweit erforderlich – gegenüber der bankinternen Kreditentscheidung vertreten.

In meiner Artikelserie “Kredit beantragen für Firmenkunden” habe ich bereits dargestellt, welche Themenbereiche die Bank im Rahmen des Kreditbeantragungsprozesses beleuchtet und wie Sie diese positiv beeinflussen können.

Steuer

Die Zinsen für einen Betriebsmittelkredit sind für Freiberufler und Selbständige natürlich Werbungskosten bzw. für Unternehmen Betriebsausgaben (da sie der Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen des Unternehmers dienen) und demzufolge steuerlich absetzbar.

Betriebsmittelkredit: Rechner und Formeln

Der konkrete Bedarf an Betriebsmittelkredit lässt sich mithilfe der folgenden Formel näherungsweise berechnen:

(Höhe des geplanten Wareneinsatzes * Umschlagshäufigkeit)

+ (geplanter Umsatz * (durchschnittliches Zahlungsziel / 360))

– durchschnittliche Höhe der Anzahlungen – Inanspruchnahme von Lieferantenkrediten

= Betriebsmittelbedarf

Ein einfacherer Weg zur Ermittlung der konkreten Höhe benötigter Betriebsmittel ist die Verwendung unseres kostenlosen Rechners.

Rechner Betriebsmittelbedarf

Ob die Ausnutzung einer Betriebsmittelkreditlinie für die Nutzung von Skonto im konkreten Fall vorteilhaft ist, können Sie mit unserem kostenlosen Skonto Vorteil Rechner ermitteln.

Rechner Skonto Vorteil

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