Was ist Ihr Unternehmen eigentlich wert?

Wollten Sie schon immer einmal wissen, was Ihr Unternehmen wert ist, wenn Sie es morgen verkaufen würden?
Das muss ja nicht heißen, dass Sie wirklich darüber nachdenken, Ihr Unternehmen / Ihr Lebenswerk morgen zu verkaufen. Aber da wir im deutschen Mittelstand nach wie vor ein ausgeprägtes Nachfolgeproblem haben, stehen die Chancen gut, dass auch Sie, lieber Leser, irgendwann an den Punkt kommen, an dem Sie sich zur Ruhe setzen und vom Stress des Alltags verabschieden wollen, Ihnen aber der geeignete und gewillte Sprössling fehlt. Spätestens dann sollten Sie wissen, was Ihr Unternehmen wert ist, wenn Sie morgen in eine Verkaufsverhandlung gehen müssten.

Aber auch unabhängig davon ist es doch mal ganz schön, auszurechnen, welchen Wert man mit seiner Arbeit über all die Jahre erschaffen hat, oder? 🙂

Unternehmensbewertung ist eine Kunst an sich

Vorausschicken muss ich an dieser Stelle, dass die Anfertigung einer Unternehmensbewertung an sich mehr Kunst als Wissenschaft ist. Es gibt allein drei große Verfahren, die sich wieder in jeweils zwei bis drei Unterverfahren untergliedern usw.
Und da alle Verfahren und Unterverfahren noch dazu mit prognostischen Werten arbeiten, sind selbst innerhalb des gleichen Verfahrens und Unterverfahrens große Bandbreiten an unterschiedlichen Ergebnissen möglich.
Ergo: Es gibt nicht den einen objektiven Unternehmenswert. Wie bei Sammlerstücken auch hat für unterschiedliche Personen das gleiche Unternehmen einen unterschiedlichen Wert.

Beispiel:

Jemand, der bereits in einer Branche engagiert ist, hat womöglich ein größeres Interesse daran, ein Konkurrenzunternehmen zu kaufen, da die Synergieeffekte in diesem Fall erheblich sind und er nicht nur Marktanteile gewinnt, sondern auch einen Konkurrenten weniger hat. Er wäre tendenziell bereit, dem Unternehmen einen höheren Wert beizumessen.

anderes Beispiel:

Ein privater Finanzinvestor mit Erfahrungen in der Branche sieht zukünftige Risiken derselben und misst diesen eine Bedeutung bei, die den Unternehmenswert mindert.

Sie sehen also, das gleiche Unternehmen kann von zwei unterschiedlichen Käufern, die sogar beide Branchenerfahrungen haben, gänzlich unterschiedlich bewertet werden. Jetzt wissen Sie auch, warum der Verkauf bzw. Kauf eines Unternehmens so viel Verhandlungszeit in Anspruch nimmt.

Alternative: die aktuelle Bewertung des Marktes

Eine Alternative zu der Vielzahl an Bewertungsmodellen ist die Beobachtung des Marktes: Also welche Preise werden für bestimmte Unternehmenskategorien mittels Angebot und Nachfrage aufgerufen. Nun wäre eine höchstpersönliche Beobachtung des Marktes für Unternehmenstransaktionen tatsächlich sogar noch mühseliger als die Erlernung aller Bewertungsverfahren.

Aber hierbei unterstützt uns die Multiples-Übersicht des Finance Magazins die Multiples-Übersicht des Finance Magazins. Vielen Dank übrigens an dieser Stelle mal dafür: eine tolle, regelmäßig aktualisierte Übersicht, mit der man sehr gut arbeiten kann.

Mit dieser können Sie in 4 einfachen Schritten zu einer ersten Indikation des Wertes Ihres Unternehmens kommen:

  1. Laden Sie sich also einfach die Multiples herunter,
  2. suchen Sie sich auf der Y-Achse die Branche und
  3. auf der X-Achse die Größe Ihres Unternehmens heraus.
  4. Ziehen Sie die Nettofinanzverbindlichkeiten von diesem Wert ab.

Und schon erhalten Sie eine Bandbreite für Ihren Unternehmenswert, mit dem Sie auf jeden Fall etwas anfangen können.

Was spricht gegen die Bewertung Ihres Unternehmens mit Multiples?

Sie fragen jetzt vielleicht: Wieso beauftragen denn Unternehmen dann überhaupt noch Consultants für die Bewertung und den Verkauf Ihres Unternehmens, wenn man doch eigentlich mithilfe weniger Handgriffe und in kürzester Zeit den Unternehmenswert berechnen kann?

Nun, wie Sie feststellen konnten, hängt bei dieser Methode natürlich die gesamte Berechnung des Unternehmenswertes an den Multiples: Wenn diese falsch sind, können Sie die gesamte Wertermittlung vergessen.

Und die Multiples kommen zustande, indem Experten für die Transaktion von Unternehmen befragt werden, welche Preise – ihrer Marktbeobachtung nach – aktuell in der jeweiligen Branche aufgerufen werden. Wenn dann eine hinreichend große Anzahl an Experten einen Wert als Einschätzung abgegeben hat, wird hieraus ein Mittelwert nach einem bestimmten Schema berechnet.

Aber auch diese Experten sind nur Menschen, sogar eine Vielzahl von Menschen. Und Menschen sind fehleranfälliger als Maschinen. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass nicht jeder Experte jeden Monat aus jeder Branche eine Transaktion hat. Wir wissen also nie genau, wie aktuell die Einschätzungen der Experten sind. Folglich können schon allein deswegen die Ergebnisse im Einzelfall deutlich abweichen.

Auch insgesamt muss man festhalten, dass diese Mutliples eben nur auf den subjektiven Marktbeobachtungen Einzelner beruhen und damit leider kein zuverlässig objektives Bild vermitteln können:
Denken Sie nur an die Befragungen vor großen Wahlen: Auch wenn hier in der Regel 1000 Menschen befragt werden, haben Sie dennoch oftmals gravierende Abweichungen zu den finalen Endergebnissen. Brexit-Wahl lässt grüßen…

Fazit

Die finanzielle Bewertung eines Unternehmens ist mehr Kunst als Wissenschaft. Es gibt zig Verfahren mit unterschiedlichen Ansätzen und noch dazu die subjektive Bewertung von Käufer und Verkäufer. Um eine erste ungefähre Vorstellung zu erhalten, wie viel Ihr Unternehmen wert ist bzw. sein könnte, sind die Multiples des Finance-Magazins allerdings erste Wahl und eine richtig tolle Einrichtung. Gerade für Branchen, die in Deutschland sehr häufig vertreten sind wie Fahrzeug- und Maschinenbau oder Elektrotechnik erhalten Sie oftmals Werte, die schon sehr nah am realen Unternehmenswert sind. Um aber ganz sicher zu gehen und mit Ihrer Kaufpreiserwartung nicht völlig falsch in Verhandlungen zu gehen, sollten Sie sich auf jeden Fall professionelle Unterstützung holen. Das Gleiche gilt für Branchen, die in Deutschland nicht so häufig vertreten sind und in denen es dementsprechend auch nicht so oft zu Transaktionen kommt.

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