Pensionsverpflichtungen – umwandeln oder auslagern?

Pensionsverpflichtungen – umwandeln oder auslagern?
Pensionsverpflichtungen - umwandeln oder auslagern?

Pensionsverpflichtungen (auch: “Altersverpflichtungn”) sind Verpflichtungen aus der Zusage einer bestimmten Alters-, Invaliden- oder Hinterbliebenenversorgung, die der Arbeitgeber gegenüber seinen Mitarbeitern hat.

Arbeitnehmer, Gesellschafter, Berater

Die Pensionsverpflichtungen sind aus Anlass der Tätigkeit des Arbeitnehmers für den Arbeitgeber entstanden und verpflichten den Unternehmer oder das Unternehmen zur Zahlung von laufenden Pensionen oder einmaligen Zahlungen (oder Wahl- bzw. Mischformen) gegenüber dem Versorgungsberechtigten, § 1 I BetrAVG i.V.m. § 17 I 2 BetrAVG. Neben Arbeitnehmern kommen als Berechtigte mittlerweile auch Organmitglieder, Gesellschafter und externe Berater in Betracht.

Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten

Da dem Beginn der Zahlung einer Pension immer ein auslösendes Ereignis vorausgeht (Invalidität, Krankheit, Erwerbsunfähigkeit oderdas Erreichen eines bestimmten Alters), sind die Pensionsverpflichtungen nach § 266 III HGB als Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten zu passivieren. Pensionsverpflichtungen entstehen zu dem Zeitpunkt, in dem die Zusage erteilt wird.

Nur knapp die Hälfte der Pensionsverpflichtungen gedeckt

Einer Studie der Fachhochschule für Mittelstand aus Ende 2018 zufolge, waren zum Zeitpunkt der Studie rund die Hälfte (51%) der Befragten Pensionsverpflichtungen eingegangen, wovon jedoch nur 58% auch gedeckt gewesen seien. Nur 35% der Unternehmen erreichten einen Deckungsgrad von mehr als 75%.

Trend zu ungedeckten Pensionsverpflichtungen verschlimmert sich

Dieser Trend dürfte sich weiter verschlimmert haben. Denn die Gründe für die Deckungslücken in den Pensionsrückstellungen der deutschen Unternehmen sind die steigende Lebenserwartung und der weiter sinkende Rechnungszins für Pensionsverpflichtungen. Je höher das Zinsniveau bei Abschluss im Vergleich zum heutigen war, desto höher ist auch die Deckungslücke in den Pensionsverpflichtungen. Wenn Verträge in den 80er oder 90 Jahren ageschlossen wurden, geht es hier teilweise um zweistellige Zinssätze. Was das dann für riesige Deckungslücken sind, kann sich jeder Mittelständler leicht vorstellen. Das heißt die Deckungslücken bei den Pensionsverpflichtungen deutscher kleinen und mittelständischen Unternehmen werden sich mit zunehmendem Zeitverlauf weiter verschlechtern.

Lösungen

1. Umstellung auf mittelbare Pensionszusagen

Die meisten mittelständischen Unternehmen geben ihre Pensionszusagen unmittelbar, also nach dem Defined Benefit Model. Sie garantieren ihren Arbeitnehmern damit die Höhe der Renten zum Beginn der Leistungsphase. Damit übernehmen sie allerdings auch das Zinsrisiko und das Risiko für den Anlageerfolg. Denn wenn dieser nicht eintritt, entsteht die Deckungslücke in den Pensionsverpflichtungen und das Unternehmen muss für die Differenz aufkommen.

Indem der Unternehmer bzw. das Unternehmen aufmittelbare bzw. beitragsorientierte Pensionszusagen umstellt (Defined Contribution Model), wird dieses Risiko auf den Mitarbeiter verlagert. Das Unternehmen garantiert nur noch die Höhe des Beitrags zur Betriebsrente des Mitarbeiters, nicht mehr jedoch die Höhe der Auszahlung. Theoretisch könnte so eine Umstellung auf mittelbare nicht nur für zukünftige sondern auch für bereits bestehende Anwartschaften in Frage kommen.

Doch auch wenn diese Lösung auf den ersten Blick verlockend erscheint, wird sie doch von den meisten Mittelständlern gescheut. Neben den rechtlichen Risiken, ist doch der mögliche Ansehensverlust bei den Mitarbeitern zu und in der Öffentlichkeit zu riskant.

2. Bilanzierungsspielräume

Auch wenn der Rechnungszins natürlich fest steht, gibt es gewisse kleinere Bewertungsspielräume bei der Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen – etwa bei der Schätzung von Gehalts- oder Rententrends.

Dadurch wird die Deckungslücke in den Pensionsverpflichtungen für den Moment natürlich erst einmal klein gehalten oder verringert.

Aber es ist auch klar, dass es sich dabei nur um eine kurzfristige Maßnahme handelt; das Grundproblem wird damit nicht beseitigt.

3. Auslagerung Pensionsverpflichtungen

Pensionsverpflichtungen können aus den Bilanzen der Unternehmen beseitigt werden, in dem sie an externe Anbieter wie Pensionsfonds oder ein Versicherungsunternehmen ausgelagert werden.

4 Möglichkeiten der Auslagerung

Dabei gibt es grundsätzlich vier Möglichkeiten der Auslagerung von Pensionsverpflichtungen:

  1. Ausfinanzierung,
  2. Schuldbeitritt,
  3. Umwandlungsmodell und
  4. Auslagerung durch Ausgestaltung eines betriebsinternen Trägers.

Während das dritte Modell in der Praxis nahezu nicht vorkommt, sind die anderen drei vertreten und haben jeweils eigene Vor- und Nachteile. Welches Modell daher für welches Unternehmen konkret in Betracht gezogen werden sollte, ist in der individuellen Analyse vorab zu klären.

Vorteile der Auslagerung

Die Vorteile der Auslagerung sind dabei eindeutig:

  1. Verbesserung des Ratings

    Banken und vor allem Ratingagenturen rechnen Pensionsrückstellungen grundsätzlich zum Fremdkapital dazu. Dadurch verschlechtern sich wesentliche Kennzahlen wie etwa die Eigenkapitalquote.
  2. Reduktion der Kosten

    Die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen führt zu einer Verbesserung des Ratings und damit auch zu niedrigeren Zinskosten.
  3. Sicherstellung der Liquidität

    Es wird die erforderliche Liquidität für die Zahlungen aus den Pensionsverpflichtungen sicher gestellt.
  4. Gewährleistung eines professionellen Kapitalanlage-Managements

    Durch die Auslagerung auf einen institutionellen Träger wird auch ein professionelles Management, der eingegangen Kapitalanlagen gewährleistet.

Fazit

Die Deckungslücken aus den Pensionsverpflichtungen der deutschen kleinen und mittelständischen Unternehmen wird weiter größer, die Risiken daraus ebenso.

Es bestehen mehrere Möglichkeiten, diese Deckungslücken der Pensionsverpflichtungen zu beseitigen, die Auslagerung ist dabei die populärste und sinnvollste Methode.

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